Dieses Buch hat etwa DIN-A4-Format und eine dicke Ringbindung, ist also deutlich größer als ich es erwartet hätte. Warum das so ist, wurde jedoch schnell klar, als es zu den Kopiervorlagen ging. Format und Bindung sind kopiergerecht ausgelegt und unterstreichen somit die praktische Ausrichtung dieses Buchs.
Zu Beginn wird sehr gut erklärt, wie komplex, vielfältig und kontextabhängig soziale Interaktion ist. Dadurch wird dem Leser verdeutlicht, dass es unmöglich ist, die ganze Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen in Regeln zu packen, an denen sich autistische Menschen orientieren können. Danach wird gezeigt, in welchen Bereichen gute Chancen bestehen und wie man soziale Interaktion für Autisten so interessant und "sicher" gestalten kann, dass sie gerne an einem entsprechenden Gruppenangebot teilnehmen, um dadurch etwas zu lernen.
Positiv anmerken möchte ich, dass menschliches Sozialverhalten nicht glorifiziert wird, sondern dass es z.B. auch um die Frage geht "Woran erkenne ich, dass mich jemand ausnutzt?" Autistische Menschen laufen immer wieder Gefahr, von anderen ausgenutzt zu werden, doch in der Literatur findet man nur selten eine Anleitung, wie man diesen Sachverhalt vermittelt bzw. dass es sinnvoll und auch notwendig ist, dahingehend Kenntnisse zu haben.
Prinzipiell wird die Arbeit der SOKO-Gruppen für Kinder und Erwachsene im Rhein/Main-Gebiet beschrieben, doch die dort gesammelten Erfahrungen lassen sich gut auf andere Regionen und Lebensbereiche übertragen. So fand ich u.a. die Beschreibung der Spiele für Kinder interessant. Überhaupt finden Eltern, Erzieher und Betreuer viele wertvolle Informationen zum Umgang mit autistischen Menschen und deren Förderung.
Alles in allem handelt es sich um eine Materialsammlung sowohl für jene, die schon über Kenntnisse verfügen, als auch Neulinge im Bereich des Autismus-Spektrums. "SOKO Autismus" vermittelt viele Erfahrungen aus der praktischen Arbeit und überlässt die Theorie all den anderen auf dem Markt befindlichen Büchern. Einzig das an MS Word erinnernde Layout und diverse kleine Fehlerchen (doppelte Leerzeichen, Registerhaltigkeit, etc.) fielen mir als autistischem Leser auf, doch in Anbetracht des gelungenen Inhalts lässt sich das leicht verschmerzen.