Das Highlight vorweg: "SOA goes real" bietet die Diskussion einer Vielzahl unterschiedlichster Themen, die für SOA eine Rolle spielen. Der Leser erhält hier eine Menge Anregungen für weitergehende Recherchen (dafür gibt es die 3 Sterne). Das sollte er allerdings auch tun, da leider zahlreiche inhaltliche Fehler (und Lücken) bestehen. Für ein kritikloses Lesen oder womöglich als Einstieg in das Thema ist das Buch daher nicht geeignet.
Was bei einer Neuerscheinung des Jahres 2007 dann doch schon sehr befremdlich erscheint, ist das der Autor gebetsmühlenartig behauptet, das eine SOA ohne Web Services keine SOA ist und das WSDL, SOAP und BPEL deren unverzichtbares Rückrat darstellen. Amüsanterweise stellt er dabei aber auch die ressourcenorientierten Schnittstellen als Alternative vor (übrigens ohne REST irgendwo zu erwähnen), welche von WSDL und SOAP völlig unabhängig sind (was er auch nicht erwähnt). Die methodenorientierten Schnittstellen hingegen werden als Normalfall dargestellt, da sie dem üblichen Verständnis einer Schnittstelle entsprechen. Leider fehlt jedoch hier z. B. der Hinweis darauf, dass der Binding Style rpc/encoded schon mit dem Basic Profile der WS-I kollidiert. Genauso kritiklos wird mit dem Thema BPEL umgegangen ("Ein Prozess wird immer als ausführbarer Prozess mit BPEL umgesetzt", "... es ist zwingend erforderlich, bereits bei der Einführung einer SOA eine BPEL-fähige Process Engine einzusetzen."). Das BPEL jedoch auch in seiner neuen Version 2.0 keine "Human Interaction" unterstützt (und hier proprietäre Erweiterungen - sprich: Herstellerabhängigkeiten - vorherrschen), bleibt ein (immerhin) gut verstecktes Randthema.
Die größte Schwäche des Buches (gemessen an der Zielsetzung des Buches) ist jedoch das, was nicht darin enthalten ist. Der Bezug zum Business wird im Wesentlichen durch einen Doppelpfeil in einer Abbildung repräsentiert. Und obwohl der Dreh- und Angelpunkt einer SOA nun einmal seine Services sind, wird genau deren Architektur (Typen von Services, deren Schichtung, Partitionierung, etc.) praktisch gar nicht behandelt (ein Layering wird nur für rein technische Services andiskutiert). Hier gilt platt: Jeder Prozess- bzw. Workflowschritt umfasst exakt einen Serviceaufruf - und das wars. Auch auf der Servicemanagement-Seite sieht es dünn aus. So sind zum Thema Releasemanagement lediglich einige wenige Anforderungen angerissen. Erhebliche Defizite gibt es aber durchaus auch auf technischer Ebene - Themen wie Transaktionssicherheit und Security werden praktisch gar nicht behandelt.
Stilistisch nerven die extrem häufigen auch kapitelübergreifend auftretenden Wiederholungen/Redundanzen im Text. Bei aller Kritik sind 3 Sterne jedoch aus meiner Sicht trotzdem gerechtfertigt: Die Kapitel zu Themen wie Migration, Master Data Management, Weiterverwendung bestehender Systeme, vergleichende Betrachtung der SOA-Produktpalette verschiedener Hersteller, etc. bieten viele interessante Informationen und Anregungen.