S.T.A.L.K.E.R. hat mich von Beginn an fesseln können. Die lebendige Spielewelt läßt einen tief eintauchen in eines quasi-postapokalyptisches Szenario, in dem man zu überleben versucht.
So muß man sich anfangs noch mit schwächlicher Faustwaffe und unhandlicher Shotgun ungeschützt durch eine lebensfeindliche Umgebung kämpfen und überlegenen feindlichen gesonnenen Gruppierungen häufiger ausweichen als ihnen gegenüberzutreten. Mit zunehmender Erfahrung und wachsendem Budget sowie etlichen Items aus den Verstecken besiegter Gegner wachsen jedoch die Überlebenschancen. Rollenspiel-Feeling kommt auf. Der Spielverlauf gestaltet sich dabei nicht-linear. Wie ihr euren Überlebenskampf gestaltet und wieviel ihr über euch selbst herausfinden wollt, steht euch im Rahmen der gebotenen Aufträge und Handlungsstränge frei. Und es hat Konsequenzen für den Ausgang des Spiels.
Der Spielverlauf wird nicht durch eine Aneinanderreihung von mit Aggressoren vollgestopften Levels bestimmt, sondern es handelt sich um eine frei begehbare Spielwelt, in der sich Freund und Feind gleichermaßen bewegen. Dennoch gibt es missionsgebundene Abschnitte, die dem nahe kommen, hier ist dann Können gefragt, nicht zuletzt dank der recht guten Gegner-KI. Missionen erhält man von neutralen Händlern und von zwei der dominierenden Gruppierungen. Da diese miteinander verfeindet sind, steht man zudem bald vor der Wahl, einer von beiden beizutreten oder sich weiterhin als Außenseiter durchzuschlagen.
Technisch gibt sich S.T.A.L.K.E.R. keine Blöße - die Spielwelt ist nett anzusehen, vor allem die Außenareale erfordern aber entsprechende Rechenpower - wer die nicht vorhalten kann, kann eine erhebliche Leistungssteigerung durch kompletten Verzicht auf dynamische Beleuchtung erzielen. Zuviele Einschränkungen machen das Spiel aber hässlich. Ein Mittelklasse-Gamer-PC sollte es schon sein, wenn man die volle Grafikpracht genießen will. Und weil es bei Ego-Shootern generell nicht sinnvoll ist, Ruckler in Kauf zu nehmen und die Auflösung zu minimieren, ist hier mindestens eine starke Monocore-CPU (ab 3 GHz bzw 3000+), 1 GB RAM und eine Grafikkarte im Leistungsbreich ab ATI x1650XT/Geforce 7600GT aufwärts zu empfehlen, unterhalb dessen nimmt die Spielbarkeit selbst bei Minimalkonfiguration drastisch ab (wer andere Erfahrungen gemacht hat: bitte als Kommentar anfügen, ist bei PC-Games immer hilfreich).
S.T.A.L.K.E.R. zählt zu meinen absoluten Lieblingen der letzten Jahre. Das Spiel versprüht massig Charme und bietet trotz des für Ego-Shooter eher unüblichen Gameplays genügend Action und Herausforderungen auch für geübte Spieler. Daher vergebe ich volle Punktzahl für den Spielspaß.
Weshalb ich dem Produkt insgesamt "nur" 4 Sterne gebe, liegt vor allem an zwei Kritikpunkten:
zum einen leidet der Reiz ausladender Areale an der Tatsache, daß keine Fahrzeuge verfügbar sind. Gerade, wer den Ehrgeiz besitzt, möglichst viele Missionen zu erfüllen, wird an den elend langen Laufwegen fast verzweifeln.
Zum anderen ist das Spiel verbugt. Obwohl mittlerweile 5 Patches erschienen sind, sind immer noch Fehler auszumachen, vor allem Missionsbugs trüben dabei das Spielvergnügen.
Was ferner noch zu bemängeln wäre, ist das etwas knapp bemessene Inventar, weil dies unter anderem bedingt, daß ihr bei Überlast nur sehr wenig sprinten könnt. Das ist realistisch, macht die langen Laufwege aber noch nerviger ...
Außerdem wurden große Teile der Dialoge nicht eingesprochen sondern sind abzulesen. Mich persönlich hat das nicht gestört, aber State Of The Art ist das sicher nicht.
Noch ein paar abschließende Worte zum Multiplayer-Modus: das Serverangebot ist spärlich. Und die Karten sind eher langweilig und vorrangig reizvoll für Leute, die gerne in kuscheliger Deckung mit ihrem Scharfschützengewehr campen. Dieser Spielmodus stellt meines Erachtens kein Kaufargument dar, ist aber ohnehin auch mehr als Bonus denn als integraler Bestandteil des Games zu sehen.
Im Überblick ein toller Titel mit verschmerzbaren Schwächen. Und bei 10 Euro Neupreis kann ich einen Kauf daher selbst bei den genannten Kritikpunkten noch wärmstens empfehlen.