Das Merkwürdige an der Weiblichkeit ist, das es immer so weitergeht," schreibt die 42jährige Sarah Worth an ihre Tochter Pearl, dieselbe tägliche Last einer vagen Erwartung und das Gefühl, dass alles irgendwie enttäuschend ist im Vergleich zu dem, was man in sich weis und das darauf wartet, ausgelöst zu werden. Es ist als wäre man ein Bündel kleiner Holzspäne, die nicht richtig Feuer fangen wollen" Von diesem Grundgefühl getrieben, hat Sarah Worth ( S. ) soeben ihren Mann, den erfolgreichen Zahnarzt Charles Worth, ohne Vorwarnung und unter Mitnahme beträchtlicher Vermögenswerte verlassen, um in den Wüsten des amerikanischen Westens dem Arhat Ashram eines sagenhaften indischen Gurus beizutreten. Dort angekommen lebt sie zunächst in engen Wohnwagen und schuftet zusammen mit einer internationalen Ashramgemeinde auf den Feldern, während der Meister in einem seiner Rolls Royce vorüberfährt und seine Kinder segnet. Während der Yoga- und Encountersitzungen wird im Dienste der persönlichen Vervollkommnung geprügelt und gevögelt, gekifft und geklaut, wobei sich Sarah zu ihrer eigenen Überraschung so gut zurechtfindet, dass sie über diverse Liebschaften in der Ashram Hierarchie immer höher aufsteigt, bis sie schließlich sogar den Arhat selbst kennen lernt, einen alterslosen Guru, der der gläubigen Sarah an die Wäsche geht und ihr den neuen Namen Kundalini verleiht. Kein Wunder dass Kundalini/Sarah immer hymnischere Briefe an Tochter, Ehemann, Mutter und Freundinnen schreibt und die Wonnen eines ganz neuen Lebens preist. Die Gemengelange aus persönlicher Bereicherung, Machtgier, Drogensucht, sexueller Begehrlichkeit und Alkoholismus innerhalb des Ashrams erschließt sich ihr zunächst nur am Rande, bis Sarah/Kundalini, zur Assistentin des Meisters aufgestiegen, schließlich aus nächster Nähe den moralischen und finanziellen Zusammenbruch des Ashrams miterlebt. Die Umwelt- und Steuerbehörden rücken der Gemeinde zu Leibe, die Spitzenkräfte schnappen über oder hauen ab, und selbst der Guru, ein vermeintlicher Heiliger aus Bombay, erweist sich als ein jüdisch-armensicher Schwindler. Ebenso wie sie ihren Mann verlassen hat, verschwindet nun auch Kundalini/Sarah bei Nacht und Nebel aus dem Ashram, um sich mit dem Geld aus der Scheidung und diversen Unterschlagungen auf einer Bahamainseln zur Ruhe zu setzen. Dort schreibt sie rührselige Briefe an eine Jugendliebe, ihre Tochter, ihre Mutter und vor allem an ihren Ehemann. Doch das Leben ist weitgegangen: die Tochter hat in Holland geheiratet, die Mutter hat sich im hohen Alter neun verbandelt und der verlassene Ehemann, mit dem die Sarah, die nun keine Kundalini mehr ist, beunruhigende erotische Träume durchlebt, wird ihre beste Freundin heiraten. Recht so, denkt der Leser, das hat sie verdient, die blöde Kuh. Fast dreihundert Seiten ist der Leser der Protagonistin durch ihre Briefe und Notizen gefolgt und am Ende hat er von ihrer Verdrehtheit und Selbsttäuschung die Nase herzlich voll. Aber Hut ab vor John Updike, dem Altmeister, der die Seelen der Menschen, ihre Macken und Gelüste und vor allen Dingen die Masken des Bösen kennt und der diese Wandlung der Sarah Worth als Briefroman kurzweilig und sprachgewaltig wie immer erzählt. Übrigens: Irgendwelche Ähnlichkeiten zur Bhagwan Sekte in Oregon werden zwar bestritten, sind aber selbstverständlich beabsichtigt.