Mit viel Neugierde und Vorfreude wurde dieses Buch über die türkische Süperlig gekauft, gerade in Anbetracht von ca. 2.5 Millionen türkischstämmigen Einwanderern in Deutschland eigentlich ein längst überfälliges Werk. Auch auf deutschen Straßen sieht man schliesslich die ganzen Feiern zu Meisterschaften in der türkischen Liga, genau so wie zu Europapokalbegegnungen oder wie erst kürzlich zu Europa- oder Weltmeisterschaften. Türkischer Fussball findet in deutschen Medien dennoch kaum statt, gerade bei Übertragungen im Fernsehen wendet sich der Zuschauer mit Grauen ab, ob der schreienden Inkompetenz der Kommentatorenschaft.
Mit diesem Buch hätte es eine schöne kleine Möglichkeit gegeben, sich um diesen blinden Fleck zu kümmern. Eine kompakte Zusammenfassung um den türkischen Fussball und eine Möglichkeit, den kommenden Autokorso im Kreisverkehr besser nachvollziehen zu können.
Leider ist "Süperlig" ein weiterer Meilenstein der Plattitüden und der mangelnden Sorgfalt im Bezug auf den türkischen Fussball geworden. Nicht nur, dass der Autor mit Penetranz versucht, ständig eine Verbindung zwischen dem Fussball in der Türkei und den Themen EU/Kurden/Armenier/Atatürk/Nationalismus herzustellen, auch sind nahezu ein Drittel aller türkischen Namen falsch geschrieben, genauso wie die einzelnen Kapitel zum Teil die gleichen Inhalte haben und der Schreibstil aus einer Aneinanderreihung von Hauptsätzen besteht. Unvermeidlich muss die in Deutschland lebende "Soziologin" Kelek herhalten, um hanebüchene Zusammenhänge in der Türkei zu erklären, in den knapp 200 Seiten wird so inhaltlich über den türkischen Fussball genauso viel transportiert, wie sich der Autor aus den Panorama-Seiten der Süddeutschen Zeitung und mit ein bisschen googlen zusammenkopieren konnte.
Fazit: "Süperlig" hat leider nichts zum Thema "türkischer Fussball" zu bieten, was man nicht an jedem Stammtisch zu hören bekäme, stattdessen ist es ein weiteres Buch voller üblicher Hohlphrasen und hinterlässt den faden Geruch müffelnder Sportsocken. Leider hat es der Autor nachweislich an der angemessenen Sorgfalt fehlen lassen und sollte sich angesichts einer solchen unterirdischen Arbeit schämen. Sechs, setzen und dann ab in den Keller und Sprudel trinken.