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Der Sündenfall. Betrug und Fälschung in der deutschen Wissenschaft
 
 
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Der Sündenfall. Betrug und Fälschung in der deutschen Wissenschaft [Broschiert]

Marco Finetti , Armin Himmelrath


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Neue Zürcher Zeitung

Literatur

Betrug in der deutschen Wissenschaft

Schon Galilei soll die Durchführung seiner Experimente durchaus locker gehandhabt haben. Newton soll Ergebnisse geschönt und Einstein Messdaten ignoriert haben. Fälscher und Betrüger waren sie dennoch nicht, sondern Wahrheitssucher, die allenfalls Widersprüche in den Messergebnissen korrigieren wollten. Aber wo Wissenschaft zu Wissenschaftsbetrieb geworden ist, da ist auch die idealistische Mogelei in regelrechte Fälschung übergegangen, meinen Marco Finetti und Armin Himmelrath in einem Buch, das Wissenschaftsgeschichte mit Aufklärungsjournalismus kombiniert und hinter die Fassaden der deutschen Wissenschaft schaut. Als «verdrängtes Phänomen», so Finetti und Himmelrath, geisterten Fälschung und Betrug schon seit dem 19. Jahrhundert durch deutsche Labors, aber erst im postmodernen Wissenschaftsdschungel nahmen sie festere Konturen an: Durch den Konkurrenzkampf, den Zwang zum Publizieren sowie den Druck, Forschungsmittel zu beschaffen, geraten Wissenschafter zuweilen vom rechten Weg der Erkenntnis ab.

Während man aber etwa in den USA immer wieder Fälle von Datenfälschung öffentlich machte und aufarbeitete, Betrug als inhärenten Teil der Forschung erkannte und entsprechende Schutzmassnahmen traf, gab sich die deutsche Wissenschaft edel und rein, verdrängte und kaschierte. Den in dieser Weise unter den Teppich gekehrten Schmutz der deutschen Wissenschaft führt das Buch nun vor und zeigt, dass verkrustete Strukturen und undurchlässige Hierarchien sowohl den Betrug ermöglichten als auch dessen öffentliche Aufklärung verhinderten.

Zur öffentlichen Auseinandersetzung über das heikle Thema kam es erst 1997 durch den Fall Hermann/ Brach, den «Sündenfall» der deutschen Wissenschaft, dem freilich andere Betrugsfälle nicht nur vorangingen, sondern auch folgten. Finetti und Himmelrath dokumentieren und analysieren den Fall der Krebsforscher Friedhelm Hermann und Marion Brach, die an der Universität Ulm jahrelang Ergebnisse manipuliert und gefälscht hatten; sie zeichnen andere Fälle der letzten Jahre nach und kommentieren deren Wirkung auf die Wissenschaftsförderung und die gesellschaftliche Akzeptanz der Forschung; dann beschreiben die Autoren die eingerichteten Kontrollmechanismen als heilsame Folgen der öffentlichen Aufmerksamkeit. Dass solche «Regeln guter wissenschaftlicher Praxis» die ethischen Abwege der   Forschung nicht endgültig versperren, sondern höchstens riskanter machen, sind sich Finetti und Himmelrath sehr wohl bewusst.

Stefana Sabin

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2000
"Wissenschaft ist eine hehre Sache", ist der erste Satz von Rainer Maria Kiesows Kritik, und der letzte Satz lautet: "Wissenschaft ist keine hehre Sache". Dazwischen liegt die Leseerfahrung des vorliegenden Bandes, der Fälschungs- und Betrugsgeschichten aus der deutschen wissenschaftlichen Praxis nachzeichnet und die Autoren wissen hier nach Kiesow Beispiele selbst aus den höchsten Etagen der Max-Planck-Institute zu nennen. Kiesow lobt den Band als den aktuellsten zu dem Thema und stellt mit Erstaunen fest, dass die Biowissenschaften die Geisteswissenschaften an Plagiatseifer offensichtlich noch übertreffen. Der These der Autoren von einem "Niedergang der Sitten in der deutschen Wissenschaft" mag er allerdings nicht so einfach zustimmen. Hier zitiert Kiesow den Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl, der behauptet, dass es in der Wissenschaft nicht mehr schwarze Schafe gebe als überall sonst auch. Die Häufung von Betrugsfällen führt Kiesow ganz einfach darauf zurück, dass es in Deutschland heute mehr Wissenschaftler gibt als früher. In den fünfziger Jahren waren es noch 50.000, heute sind es zehn Mal soviel.

© Perlentaucher Medien GmbH

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