Zur Geschichte brauche ich wohl nicht viel zu erzählen -- das haben andere schon ausreichend getan: Ein kleiner Junge wird entführt und die Protagonisten suchen nach Spuren des Täters.
Spannend fand ich es nicht, da alle 5 Seiten irgendwelche Liebesgeschichten zwischen den beiden "Hauptdarstellern" wiederholt werden. Aus persönlicher Sicht des einen, aus persönlicher Sicht des anderen, im beruflichen Sinn
aus Sicht des einen, und natürlich auch aus der des anderen. Es wirkt eher wie ein Liebesroman mit nebenläufiger Krimi-Geschichte. Megan O'Malley ("die Frau") verliebt sich in Mitch Holt ("den Mann") und zickt dauernd rum, weil sie sich ja achso stark und unabhängig fühlt und deswegen keine
Beziehung zu ihrem Kollegen eingehen kann. Dauernd werden ihre Probleme durchgewälzt; sie will, sie will doch nicht, sie will doch. Bei Mitch das gleiche: Ja, Nein, Ja, Nein, hin und her. Wenn man das drei mal gelesen hat, hat man's kapiert und es nervt einfach nur, wenn die Geschichte das vierte, fünfte und sechste mal aufgekocht wird.
Wenn man einen richtigen Thriller erwartet, ist das Buch ein absoluter Reinfall: Ab und zu (ca. alle 100 Seiten) kommen mal neue kriminaltechnische Spuren zum Vorschein, der Rest befasst sich nur mit den persönlichen Problemen der Protagonisten. Gähn.
Die absolute Frechheit ist allerdings die Unverschämtheit, mit der sich der Verlag erlaubt hat, dieses "Teil" zu veröffentlichen: Es strotzt nur so vor Fehlern! Inhalt hin oder her, aber die Übersetzungsfehler sind echt der Hammer. Da wird ein Anrufbeantworter als "Telefonautomatik" bezeichnet und
andauernd findet man jede Menge Rechtschreibfehler. Da fehlen Wörter ("Und ich war, Gott weiß, nicht sehr vorsichtig ihr, ...") oder Kommata werden nach Gutdünken eingestreut ("... weil wir die einzige Hoffnung, sind, die er hat") oder der Plural wird nach Mondphase gebildet ("Olie hätte bei Intelligenztesten gut abgeschnitten"). Wörter werden einfach nach äußerem Anschein vertauscht ("... vor Freude ganz warum ums Herz...") oder die
Übersetzung orientiert sich an der Wahrnehmung am Telefon ("Ich bin kein großartiger Koch, aber virtuos beim Aufräumen von Resten im Mikro.").
Ich glaube kaum, dass sie die Gegenstände, die sich in einem Mikrofon befinden, in Ordnung bringen wollte. Sie meinte sicherlich "Aufwärmen in der Mikrowelle", aber das hat sich der Übersetzerin und dem Lektorat wohl stark entzogen.
Insgesamt liest sich das Buch so, als habe ein völliger Stümper versucht, ein englisches Buch ins deutsche zu bringen.
Fazit: Die Geschichte ist ok (wenn auch nicht der Hammer), aber der Lesegenuss ist für einigermaßen deutsch-interessierte eine einzige Unverschämtheit und Zumutung.