Es hat ein bisschen gedauert, bis ich Georg Klein entdeckt habe, und das liegt auch daran, dass deutsche zeitgenössische Literatur im Gegensatz zur Amerikanischen so dröge ist und ich zu viele Bücher im Schrank stehen habe, die ich nicht fertig lesen konnte. Aber nach der ersten Seite von Sünde Güte Blitz war ich gefangen. Tolle Sprache, aber nicht so nervig-preziös wie Martin Mosebach, irre Ausgangsidee, aber vom Plot her leicht zu folgen (nicht wie Dietmar Dath). Die vielen kleinen Kapitel mit Perspektivewechseln machen das Ganze abwechslungsreich und spannend. Der Roman ist auch wunderbar modern - und die vielen kleinen Anspielungen auf die Gegenwart finde ich nicht billig, sondern gelungen. Ich freue mich doch als Leser, wenn ich was merke, OHNE ganz doll nachdenken zu müssen bzw. vor der Verschlüsselung des Autors einfach kapituliere. Von Stil und Idee her kann Klein es mit amerikanischen und britischen Autoren aufnehmen, denen das Spiel mit der Phantasie und dem Irrealen (Surrealen?) sehr viel leichter von der Hand geht als deutschen Autoren. Und weil sich das alles so gut lesen lässt und immer neue Erkenntnisse liefert, hätte ich mir gewünscht, dass der Schluss nicht ganz so plötzlich kommt bzw. der Roman nicht mit Frau Blumenthal endet. Auf jeden Fall werde ich noch andere Texte von Klein lesen und hoffe, wieder so verblüfft zu werden.