"Sühnetag" ist ein typischer James Patterson-Thriller, der vielversprechend beginnt: Ritualisierte Morde und ein durchgeknallter, offenbar ideologisch verblendeter Serienkiller eröffnen den atemlosen Wettlauf gegen die Zeit, der in ein großes Finale mündet. Doch trotz des sehr spannend geschriebenen Einstiegs wirkt der Roman zunehmend lahm und uninspiriert, als wären dem Vielschreiber Patterson irgendwann die Ideen ausgegangen. Die Figuren sind allesamt sehr stereotyp und dadurch vorhersehbar - der rechtschaffene, verwitwete Detective mit der großen, glücklichen Adoptivfamilie, dem eine äußerst smarte und sehr attraktive FBI-Agentin zur Seite gestellt wird; alles ist irgendwie ganz genau so, wie man es aus ähnlich gestrickten US-Thrillern erwartet. Manche Figuren sind sehr krampfhaft auf unkonventionell getrimmt, zum Beispiel Bennetts Großvater, ein cooler und lässiger Priester, und genau deshalb nerven sie.
Die Idee mit den "Schulprüfungen" und den Aschekreuzen ist ganz nett, wirkt in der Ausführung aber seltsam unfertig. Ein bisschen Wahn, ein paar schlechte Erfahrungen in der Kindheit, ein paar religiöse Zitate und ein paar skurrile Morde zusammenzumischen, reicht einfach nicht, um den Leser mehr als 300 Seiten bei der Stange zu halten. Man weiß recht früh, wer der Killer ist, weil James Patterson ihn in eigenen Kapiteln zu Wort kommen lässt, man rätselt aber wie Bennett längere Zeit über seine Motive. Vieles wird allerdings überhaupt nicht erklärt, und einige Ideen wirken wie Versatzstücke aus anderen Serienkiller-Romanen, etwa die Tatsache, dass die Opfer bis auf die Unterwäsche entkleidet sind.
"Sühnetag" ist insgesamt schon recht spannend und dadurch auch durchaus unterhaltsam, aber der Thriller wirkt wie routiniert geschriebenes, aber wenig originelles Bücher-Fastfood von der Stange: schnell ausgelesen, schnell vergessen.