Abel kennt sich bestens aus: Die Region befindet sich in üblem Zustand. Überall Massenabfertigung, Kuckucksuhren-Kitsch, Plastik. Den Sünden wider gepflegte ländliche Gastronomie, geschmackvolles Bauen und Einrichten, ehrlich regional erzeugte Lebensmittel gilt seine volle Verachtung. Denn er sucht und findet das Ursprüngliche, das unverfälschte Reiseerlebnis. Hohle Sprüche des Tourismusmarketing entlarvt er mit beißendem Spott; er leidet förmlich unter dem Verlust an regionaler Identität. Ergebnis seiner kritischen Nachforschungen sind eine ganze Reihe interessanter Empfehlungen, für die ihm die Leser dankbar sein können.
Versuchen die gängigen Reiseführer, alle "Sehenswürdigkeiten" und "Publikumsmagneten" ins rechte (positive) Licht zu setzen und höchstens zwischen den Zeilen maßvolle Kritik anzubringen, so verfolgt Abel genau das gegenteilige Konzept. Beinahe lustvoll entlarvt er die Scheingemütlichkeit der beliebten Berg"hütten" und deren Speisenangebote vom Großmarkt. Er geißelt den Skibetrieb am Feldberg, der für Natur und Landschaft bedrohliche Ausmaße angenommen hat, auch wenn die örtliche Politik Glauben machen möchte, dass dies durch die Einrichtung eines Naturschutz-Zentrums ausgeglichen werden könne.
Der essayistische Stil des Autors erfreut durch recht originelle Formulierungen, die das Buch auch ohne konkrete Reiseabsicht lesbar machen. Manche Leser werden aber verwundert feststellen, dass auch sie zu Abels Feindbildern gehören. Denn es sind nicht nur die üblichen Bus-/Erlebnis-/Eventtouristen oder sonstigen Spießer, denen in seinen Augen der Sinn für Landschaftsgenuss und regionaltypische Erzeugnisse abgeht. Sondern er analysiert die unsensible Spaßkultur auch bei picknickenden Freiburger Wohngruppen, Mountainbikern, großstädtischen Jungfamilien, die mit ihren Vans voller Annehmlichkeiten und Sportausrüstung das umweglose Vergnügen ansteuern ... Am Typus neuer "Trend-Spießer" arbeitet er sich so gehörig ab, dass es bisweilen auch den unbefangensten Leser etwas nervt.
So manch' Verantwortliche(r) in den örtlichen Fremdenverkehrsämtern wird sich wohl ebenfalls gehörig auf den Schlips getreten fühlen, so dass insgesamt eine recht umfangreiche Schar an Zeitgenossen dem Autor einen etwas anderen Blick auf ihr Tun und Lassen verdanken.
Doch wer es mit dem "sanften Tourismus" wirklich ernst meint, wird die Früchte seiner Erkundungen gerne selbst testen und kann nur hoffen, dass die konstruktiv-kritischen Gedanken auch bei den einheimischen Anbietern auf Einsicht und Umkehr stoßen.