Klar doch, dieses herrlich menschelnde Federvieh, das stets gut angezogen durch die Welt watschelt und auch schonmal auf dem Frackhosenboden den Eisberg runterrutscht -- dass man sowas schon des Fracks wegen eher in der Opernpremiere vermutet als bei der Hatz auf Heringe, diese Idee liegt nahe. Und die Überlegung, dass es am Südpol heiß sein müsste, dürfte auch zu so manchem Erinnerungsschatz gehören.
Die Idee ist's also nicht, die den Reiz dieses Buches ausmacht. Pinguin-Bücher gehen schließlich immer... Es ist die Durchführung!
Das flugunfähige Federvieh ist nämlich deswegen immer so gut angezogen, um für den Fall der Fälle sogleich passend gekleidet zu sein: Es kommt gelegentlich vor, dass ein Konzertdampfer an den antarktischen Gestaden anlegt und eine Vorstellung gibt -- spätestens, wenn anderswo keiner mehr die drei Tenöre hören mag, ist eben der Südpol dran. Und nun geht der Watschel-Run los auf die Billetts; wer wollte das verpassen?! Außerdem entspinnen sich zarte Bande zwischen dem klugen halbwüchsigen, fast zu Ende gemauserten Leo und der kessen Lotti, die eigentlich eher auf die Spice Girls steht (aber wie die Autorin weise andeutet: irgendwann müssen auch die das Pinguinvolk beehren, wenn sie nirgendwo anders mehr landen können).
Jedenfalls, die Vorstellung geht los, "La Traviata" steht auf dem Programm, und wer könnte "Violetta, zart und fein" eindrücklicher darstellen als Luciano Pavarotti? Das Publikum ist restlos begeistert und klatscht mangels Händen mit den Flügelstummelchen, dass es eine Art hat, und will Zugabe ohne Ende, auch wenn auf die energisch geforderte "Aida" am Südpol wohl noch eine Weile zu warten sein wird.
Und dann ist die Geschichte leider auch schon zu Ende, mit all ihren schönen feinen Reimen und Quint Buchholz' feinen Illustrationen. Ganz nebenbei streut Elke Heidenreich auch Wissenswertes über die "Traviata" und die Kaiserpinguine ein, etwa über ihr Familienleben -- auch da menschelt's nämlich beim Pinguin beachtlich.
Und dann ist's halt einfach schön, wenn ein Autor seine Geschichte reimt, auch schonmal "Reim dich oder ich fress dich"-Gepflogenheiten augenzwinkernd aufs Korn nimmt ("Wer keine Lust hat, anzustehn, / kann ab sofort zu Leo gehn, / der Karten hat, wer weiß woher! / (Die sind dann etwas teurerér)"). Schöne Reime einfach, wie man's noch aus seligen "Hasenschule"-Zeiten in Erinnerung hat. Und lustig ist's auch -- und dazu kommen Buchholz' Bilder, die ihren Witz gerade daraus beziehen, dass sie sich nicht weit von der fotografischen Vorlage entfernen. Pinguin-Versammlungen wecken schließlich auch ohne zeichnerische Übertreibung zuverlässig den Eindruck eines gepflegte Stehkonvents in der Opernpause.
Man kann "Am Südpol denkt man, ist es heiß" gut vorlesen (Kinder stehen auf Reime und Rhythmus! Und auf schöne Bilder auch); Witz und Hintersinn garantieren aber auch dem Vorleser gute Unterhaltung -- so gute Unterhaltung, dass man's auch für sich selber lesen kann/will/wird.