Süden und das Lächeln des Windes war eine ungewöhnliche Geschichte '- es ging um das Verschwinden eines Kindes und die Umstände, die dazu führten. An der Geschichte gefielen mir die seltsamen Beweggründe der Eltern, der letztliche Grund des Verschwindens und die sehr naturgetreue, gesprochene Sprache. Das ganze wurde hinterfüttert mit einigen Kindheitstraumata des Erzählers und rundete so die Geschichte ab.
Süden und der glückliche Winkel hat nichts von alledem. Für meinen Geschmack ruiniert der Autor die Erzählung gleich im Vorhinein, weil er die Lösung gleich zu Anfang des Buches verrät. Cölestin Korbinian, 50 und Postbeamter, seit 28 Jahren verheiratet, verschwindet von einem Tag auf den anderen. Weil er so extrem eingefahrene Lebensgewohnheiten hat, ist das sehr ungewöhnlich. Korbinian ist unauffällig und hat kaum Freunde, aber offensichtlich ein paar Geheimnisse, die ungewöhnlich, aber gleichzeitig auch äußerst unspektakulär sind. Das zieht den Leser nicht in den Bann, es ist nicht einmal glaubhaft, weil der Verschwundene ja scheinbar mit seinem Leben zufrieden war. Durch das Rückblendenhafte der Erzählung flicht der Autor einen weltschmerzlichen Grundton ein, der auf zerbrochene Beziehungen, auseinandergehende Freundschaften und vergangenes Glück abhebt und der Spannung nicht wirklich förderlich ist. Möglicherweise Ani in der Midlife-Crisis? Das würde auch die Thematik des Wunsches nach einem veränderten Leben erklären. Seltsam - aber ich werde noch andere Südengeschichten lesen.