Also diese Geschichte ist Wortkargheit in Perfektion, und zwar nicht nur das, was in Gänsefüßchen steht, sondern die gesamte Erzählung: Auf den Punkt, ohne weitausschweifende Satzgebilde, denen man ansieht, dass das Adjektiv mühevoll gesucht und gefunden wurde. Keine Sätze, über die man denkt: Da hat sich jemand verkünstelt. Da wollte jemand ein Wortkünstler sein.
Die Menschen und Situationen hervorragend beobachtet, zwischen den Zeilen Humor, knackig. Ein Krimi, der in München spielt. Kommissar Süden arbeitet in der Vermisstenstelle, nicht wie man es bei Krimis gewöhnt ist, in der Mordkommission.
Die Geschichte ist auch in wenigen Sätzen erzählt: Ein Mann wird von Ehefrau und Schwägerin als vermisst gemeldet. Nachdem in der örtlichen Zeitung ein Bild von ihm veröffentlicht wird, meldet er sich bei Süden und verbittet sich, gesucht zu werden, es gehe ihm gut und es gehe niemanden etwas an, wo er ist. Warum hat er seine Familie verlassen? Das will Süden wissen, obwohl der Fall kein Fall mehr ist.
Natürlich kann man dieses 200-Seiten-Büchlein nicht vergleichen mit einem Mankell-Epos, ein großes Orchester ist keine Kammermusik. Es geht nicht um fiese blutige Morde, sondern um eine Familiengeschichte, wie sie überall passiert.
Für mich als Münchner geht jedoch das Herz auf, wenn ich Süden so durch die Stadt streifen sehe, wenn er bei McDonald am Stachus Junkies sucht, wenn mir eben die Beschreibung dessen, wie und an welchen Orten Münchens er seinen Tag verbringt, so vertraut ist.
Schreiben kann Friedrich Ani wunderbar. Wie hört sich die Beschreibung eines Kneipenbesuches für Sie an:
"Ich war einmal mit Martin dort gewesen, wir hatten gut gegessen und noch besser getrunken, aber der fünfte Ouzo veränderte vorübergehend unsere Persönlichkeit. Wir fingen an Sirtaki zu tanzen, wir schwangen unsere Beine wie Cancantänzenninen und grölten die Melodie. Irgendwann kamen zwei Grüne herein und forderten den Wirt auf, die Musik leiser zu stellen. Ich wankte nach draußen, stolperte und knallte mit dem Gesicht auf die Kühlerhaube des Streifenwagens."
Ja, es wird viel gesoffen in diesem Buch.
Ich freue mich schon auf die nächsten Tabor-Süden-Geschichten, werde sie mir alle nacheinander einziehen.