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Ein zartes Spracherlebnis, 15. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Süddeutsche Zeitung Bibliothek der Erzähler. Gesamtbox. Gesamtbox: SZ Bibliothek der Erzähler, Teil 7: Dshamilja. Ulrich Matthes liest Aitmatow (3 CDs) (Audio CD)
Eine kleine Geschichte vom Leben in einem entlegenen kirgisischen Dörfchen Aul im Kriegsjahr 1943. Die wehrfähigen Männer sind eingezogen. Zurück bleiben die Frauen und der 15jährige Said, Schwager der jungen Dshamilja. Sie wurde einem seiner Brüder nach kirgisisch/muslimischem Brauch angetraut aber schon vier Monate später musste er in den Krieg.
Sie ist eine zu Späßen aufgelegte tatkräftige Frohnatur, die sich mit dem kleinen Said prächtig versteht. Beide sind von der Mutter Saids, die zwei Familienhöfe in einer Kolchose matriarchalisch leitet, zu gemeinsamer Erntearbeit eingeteilt.
Eines Tages kommt Danijar, ein versehrter Kriegsheimkehrer auf den Hof um hier zu arbeiten. Von seinen Kriegserlebnissen gezeichnet, verhält er sich sehr zurückgezogen und integriert sich nicht in die Gemeinschaft. Er bleibt Außenseiter und wird von den anderen, insbesondere aber Dshamilja und Said gern gehänselt.
Als er einen übergroßen schweren Erntesack trotz seiner Knieverletzung "heldenhaft" alleine eine steile Leiter auf den Scheunenboden hinauf schleppt und dabei fast zusammenbricht, verschafft er sich den Respekt aller anderen - die Hänseleien hören plötzlich auf. Insbesondere Dshamilja geht in sich.
Während einer Erntefahrt zurück zum Hof beginnt Danijar auf seinem Karren wunderschön zu singen. Dshamilja ist fasziniert und es entwickelt sich in ihr sehr verhalten eine zarte aber tiefgreifende Liebe. Eines Tages verlassen beide das Dorf und gehen ohne große Worte fort in eine gemeinsame Zukunft.
Die Geschichte wird aus der rückblickenden Sicht des jungen Sayd erzählt, der sich damals selbst ein wenig in Dshamilja verliebt hatte. Er gönnt Dshamilja aber ihre ernste Liebe und verlässt das Dorf ebenfalls, um als begabter Zeichner auf eine Kunstschule zu gehen.
Die Novelle ist von der Liebe zur Natur und zu ihren Protagonisten geprägt. Die Geschichte ist von außergewöhnlicher Einfühlsamkeit und anrührender Zartheit. Selten habe ich ähnliches gelesen, insbesondere aber nicht gelesen bekommen. Ulrich Matthes bringt mit seiner Stimme all die feinen Gefühlslagen wunderbar zum schwingen. (Es muss nicht immer Gert Westphal sein, den ich sehr schätze).
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