Norman Ollestad erzählt in "Süchtig nach dem Sturm" im Grunde zwei Geschichten parallel. Er springt immer hin und her zwischen den Ereignissen des Flugzeugabsturzes, den er als Elfjähriger als Einziger überlebt hat und den Erinnerungen an seine Kindheit. Durch die Sprünge zwischen den unterschiedlichen Handlungsebenen erzeugt Ollestad enorm viel Spannung und "Süchtig nach dem Sturm" entwickelt schon annähernd Page-Turner-Qualitäten. Was er dazwischen skizziert ist zum einen das Bild einer ungewöhnlichen und für sich schon spannenden Kindheit und zum anderen die Geschichte einer komplizierten aber auch stets sehr intensiven und besonderen Vater-Sohn-Beziehung.
Norman empfindet viel Respekt für seinen Vater, bestaunt das Leuchten in dessen Augen beim Eintauchen in tiefen Pulverschnee oder beim Erzählen von großartigen Tuberides. Die Zeit, in der Big Norm seinem Sohn die Welt auf Skiern und Surfbrett zeigt, war noch eine ganz andere als die heutige. Man spürt den Pioniergeist, mit dem vor allem Normans Vater bei der Sache ist. Big Norm muss eine enorm charismatische Persönlichkeit gewesen sein, der andere mit seiner charmanten Art, seinem Gitarrenspiel und seinen Surfskills um den kleinen Finger wickeln konnte. Für Norman ist all dies gleichzeitig faszinierend und beängstigend. Immer wieder muss er an seine Grenzen gehen - was ihn oft genug verzweifeln lässt, ihm aber ebenso immer wieder großartige Erlebnisse beschert.
Die ganze verzwickte Komplexität dieser Vater-Sohn-Beziehung verdeutlicht Ollestad vor allem anhand einer Reise der Beiden durch Mexiko - eigentlich angetreten, um Normans in Mexiko lebenden Großeltern eine neue Waschmaschine zu bringen. Aber Big Norm wäre nicht Big Norm, wenn das Ganze nicht zu einer ereignisreichen Surfreise entlang der mexikanischen Küste verlaufen würde. Ollestad erzählt von all diesen Erlebnissen so farbenfroh und facettenreich, dass das Buch sicherlich auch ohne die Dramatik des Flugzeugabsturzes höchst angenehme Lektüre wäre.
FAZIT: "Süchtig nach dem Sturm" nimmt den Leser gefangen, lässt ihn mitfiebern und mitträumen von mexikanischen Stränden und feinstem Pulverschnee. Alles in allem hat Norman Ollestad ein höchst lesenswertes Buch abgeliefert, das gleichzeitig Chronik einer ungewöhnlichen Kindheit und die Skizzierung eines ebenso komplizierten wie intensiven Vater-Sohn-Verhältnisses ist. Ein Buch, das nicht nur denen, die sich Surfbrett und Skiern verbunden fühlen, nahe gehen dürfte, sondern eigentlich niemand kalt lassen kann und daher uneingeschränkt empfehlenswert ist.