Literatur über "Alte" gibt es in der Literatur immer schon, doch auf Grund unterschiedlichster Debatten, steht das frühere Tabuthema heute im Focus. Im Sommer 2006 gab es sehr viele Bücher über das "Älter" werden. Ich denke dabei an so unterschiedliche Bücher wie Martin Walsers "Angstblüte", Philip Roth geniales Buch "Jedermann" oder an das in hohem Maße luzide Buch "Älter werden" von Silvia Bovenschen.
Hellmuth Karasek, einer der umtriebigsten deutschen Journalisten und Schriftsteller fühlt mit seinem aktuellen Essay Buch "Süßer Vogel Jugend" dem Alter auf den Zahn. Die Rolle des "Alt werden" akzeptieren wir nicht mehr. Die Medizin hilft auf grausame Weise, dass wir endlos Alt" werden können. Der Autor versucht dem Alter die Altersmilde zu nehmen, vergleicht das Alter mit der ersten Phase der Liebesbeziehungen, wo nämlich Menschen plötzlich zueinander sagen, ich kann ohne dich nicht mehr leben. Das Alter bringt einen, wie den Liebenden, in die Zwangsrolle der ständigen Abhängigkeit, zu der sich die spontane gütige Zuneigung entwickelt. Diese schlimme Abhängigkeit, die im Alter droht und die man auch einklagt dieses, stellt einen absoluten Persönlichkeitsverlust da, den es im Liebeswahnsinn auch gibt.
Karasek hat in seinen autobiografischen und "generationsbiografischen" Geschichten sicher nichts gegen das Alter, weil es keine Alternative dafür gibt. Er fordert vielmehr dazu auf, dem Alter etwas realistischer in die Augen zu sehen und er hasst es geradezu, über das Alter eine Idylle auszubreiten. Dieses Thema beschäftigt ihn am meisten in seinem Buch. Er vergleicht dabei das Alter mit einem komischen Bild. Von Geburt an fällt der Mensch vom Wolkenkratzer herunter und denkt die ganze Zeit, bis jetzt ist es ja alles gut gegangen. Das Ende wird hinweg diskutiert, doch irgendwann schlägt der Mensch hart auf. Und wer "Alt" wird, der hat Glück gehabt, aber er hat kommt dann auch irgendwann zu der Erkenntnis oder macht die Erfahrung, dass das Alter auch ein Unglück sein kann. Es gibt wunderbare Altersgeschichten aber es gibt auch furchtbare Tragödien.
Der Autor betrachtet sich als einen Wanderer in ein Land, aus dem es keine Wiederkehr gibt und in dem man die Zustände und Umstände schonungslos erkennen muss und schließlich feststellt, dass nicht alles nur ein Segen ist.
Das Buch ist poetisch anspruchsvoll, bewegend und voll untergründigem Humor. Leser werden an vielen Stellen lachen, weil der Autor eigentlich zeigen will, du bist mit deinem Alter nur allein wenn du Illusionen darüber verbreitest. In dem Karasek die Schlaflosigkeit ebenso wie die vielen gesundheitlichen Gebrechen schonungslos erwähnt, erweckt er bei den Lesern ein Solidaritätsgefühl. Er zeigt auf, du bist wirklich in keiner Situation ein einzelner Unglücksfall. Die Solidarität sucht er nicht in Illusionen, sondern in der Realität. Die Katastrophe im Alter ist sein Realismus, der nicht nur einen Ton hat.
Also, es ist ein vergnügtes und ernstes, sehr kluges, präzises, psychologisch ausgefeiltes, ein ganz schön zu lesendes Buch von einer zauberhaften Sicherheit und Stimmigkeit, welches vom Leser die größte Einfühlsamkeit verlangt. Die Lebensklugheit des Autors, die in das Buch hineingeht, ist bewundernswert. Rasant geschrieben, von unglaublicher Sogkraft.