Sie ist so wild wie das Land, in dem sie geboren wurde, und ihr Ungestüm hat ihre Eltern schon einige Nerven gekostet. Dennoch war Sophie McIntosh bisher der Augenstern ihres Vaters. Als sie jedoch ein Bergwerk zum Einsturz bringt, ist auch dessen Geduld erschöpft. Er stellt sie vor die Wahl, entweder zu heiraten oder mehrere Monate in England, der Heimat ihrer Mutter, zu verbringen. Der ihr zugedachte Ehemann erscheint Sophie wenig reizvoll und so entscheidet sie sich zähneknirschend für England. Dort wohnt sie bei ihrer Tante, die keinen Hehl aus ihrer Verachtung für die junge Schottin macht, und sie in ein einengendes Korsett aus Anstandsregeln steckt. Allein Sophies heimliche Ausritte bedeuten eine freudige Abwechslung. Während eines solchen Ausflugs entdeckt sie eine Schmugglerbande, die in der Gegend ihr Unwesen treibt und sich ausgerechnet Marian Manor, das Haus, das Sophie von ihrer Großmutter erbte, als Schlupfwinkel erwählte. Doch auch zu einem anderen Zweck benutzt man das altehrwürdige Gebäude: Captain Jonathan Hendricks veranstaltet hier kuriose Festivitäten. Heimlich spioniert Sophie den Gesetzlosen hinterher, was dem geheimnisvollen und überaus anziehenden Lord Edward, dem sie während einem ihrer Streifzüge zum ersten Mal begegnete, gründlich missfällt. Als Sophie herausfindet, dass ihr Vetter ebenfalls der Bande angehört, will sie ihn auf den Pfad der Tugend zurückführen. Beherzt begibt sie sich zu diesem Zweck nach Marian Manor, platzt mitten in eine Orgie und bedarf plötzlich selbst der Rettung - eine Aufgabe, die Edward Harrington nur zu gerne übernimmt...
Auch wenn "Süße Verführung" dem Erotikgenre angehört, wurde ich mit weit weniger erotischen Passagen konfrontiert als in manchem Historischen Liebesroman bzw. Romantic Fantasy Buch. Nicht, dass mich das irgendwie gestört hätte. Wesentlich lieber als eine konfuse Aneinanderreihung pornografischer Vorgänge sind mir die Dinge, die ich hier genießen durfte: ein geistreicher Plot, gut ausgearbeitete Charaktere, eine romantische Handlung sowie an den richtigen Stellen platzierte, ansprechend gestaltete und trotzdem prickelnde Sexszenen. Als nicht zu verachtende Zugabe empfand ich überdies den köstlichen Humor, mit dem die Autorin ihre Geschichte würzte.
Mona Vara wartet mit gleich zwei Lovestorys auf. Parallel zum romantisch gestalteten Hauptthema präsentiert sie, als Nebenhandlung der erotischen Art, eine Affäre zwischen Edwards Zwillingsschwester Melinda und Jonathan Hendricks. Ein weiterer Handlungsstrang, der sich mit einer Schmugglerbande und deren Aktivitäten befasst, sorgt für Spannung und Überraschungen.
Mit Charme und Können entführt die Autorin den Leser ins England des 19. Jahrhunderts, wobei sie mit gelungenen Landschaftsbeschreibungen aufwartet. Vor allem das Küstengebiet stand mir regelrecht vor Augen. Überdies sind erwähnte historische Daten und Fakten zutreffend. Der Schreibstil ist flüssig, und die Dialoge kommen unterhaltsam daher. Allerdings fand ich die Sprache zuweilen etwas modern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man im 19. Jahrhundert Ausdrücke wie "Schreckschraube", "Geknutsche" oder "abgrapschen" gebrauchte.
Mit Sophie und Edward findet ein sehr kontrastreiches Paar zusammen. Auf der einen Seite der scheinbar unterkühlte Aristokrat mit bewegter Vergangenheit, auf der anderen die junge Schottin, die mit einer unterhaltsamen Mischung aus Naivität, Abenteuerlust und Loyalität begeistert. Der Hintergrund der Hauptakteure wird sehr gut durchleuchtet, und ihre Handlungen sind nachvollziehbar. Ihre Beziehung entwickelt sich in glaubwürdiger Geschwindigkeit. Aber nicht nur die Haupt- auch die Nebenfiguren sind der Autorin wunderbar gelungen. Captain Jonathan Hendricks beispielsweise ist ein undurchsichtiger und damit höchst interessanter Charakter, und Edwards Schwester Melinda beeindruckt mit einer angenehmen Vielschichtigkeit.
Fazit: Tolle Charaktere, eine prickelnd-romantische sowie eine softerotische Lovestory, ein fesselnder und intelligenter Plot, angereichert mit köstlichem Witz und umgeben von historischem Flair. Was will man mehr?