Merlin Donald warnt in seinem "Triumph des Bewusstseins" vor Daniel Dennetts "gefährlicher Idee", Bewusstsein sei nicht mehr als eine Einbildung; solche Warnungen empfinde ich eher als Empfehlung denn als Abschreckung...
Nun, dieses Buch halte auch ich nicht für das Beste, um Dennetts Thesen kennen zu lernen oder sich mit ihren auseinanderzusetzen: zu offensichtlich sind die einzelnen Kapitel zu unterschiedlichen Anlässen entstanden und zu unzureichend sind sie zum Zwecke der Publikation aufeinander abgestimmt.
Einige dieser Anlässe waren Auseinandersetzungen mit den Argumenten von Kontrahenten aus dem klassischen Lager, denen Dennett mit Ironie zu begegnen sucht. Ironie ist aber - zumindest für Außenstehende - eine wenig hilfreiche Strategie, wenn man die Voraussetzungen nicht kennt oder allein auf Grund der Hinweise des Autors nur unzureichend erahnen kann.
Aber oft lohnt sich die Lektüre eines solchen Buches dennoch, wenn man sich genügend Rosinen herauspicken kann!
Hier eine Auswahl meiner Rosinen:
Psychologisch geschickt ist beispielsweise die "Zaubertrick-Metapher", mit der Dennett die Mythen im Zusammenhang mit Bewusstsein, freiem Willen, Seele und anderen, liebgewonnenen Vorstellungen vergleicht: Der zuschauende, staunende Mensch will ob der schier unglaublichen Geschehnisse eigentlich verzaubert sein und bleiben. Deshalb werden Zaubertricks nie erklärt; so werden die massiven Widerstände gegen eine Aufklärung von Illusionen durch rationale Argumente verständlich - insbesondere die Verweigerung gegenüber Dennetts Thesen.
Dennett setzt sich intensiv mit den Pseudo-Problemen traditioneller Philosophen, mit deren "armchair"-Gedankenexperimenten auseinander, die unter Stichworten wie Qualia, Zombie oder "How it is like.." bekannt sind. Er reduziert diese, einer realistischen Nachprüfung unzugänglichen Experimente gnadenlos auf ihre Funktion: als untaugliche Versuche, die naturwissenschaftliche Interpretation von Fragen, für die die Philosophie bisher die Deutungshoheit für sich in Anspruch genommen hatte, zu stören und deren allgemeine Akzeptanz zu verhindern - quasi als strategische Rückzugsgefechte in einer verlorenen Schlacht.
Häufig wird in Diskussionen zwischen Geistes- und Naturwissenschaftlern der "Vitalismus" als ultima ratio herangezogen, wonach naturwissenschaftliche Methoden für geisteswissenschaftliche Themen generell unzureichend bzw. unzulässig seien. Hier erinnert der Autor an die Geschichte der Chemie, die eine Zeit lang aus ähnlich gelagerten, ideologischen Gründen an eine Trennung von organischer und anorganischer Chemie glaubte; dieser Glaube hat sich inzwischen als unzutreffend herausgestellt und in Nichts aufgelöst.
Es spricht Einiges dafür, dass wir in absehbarer Zeit eine ähnliche Entwicklung bezüglich des Körper-Geist-Dualismus erleben werden.
Dennett wird dann als einen der führenden Protagonisten dieses Paradigmenwechsels in Erinnerung bleiben.