Den positiven Bewertungen der Vorredner kann ich mich überhaupt nicht anschließen, aber im Text mancher Bewertungen klingt ja schon an, wie kritisch der Inhalt des Buches ist. Es wird ohne weitere Erklärungen eine - heute kaum übliche - Hausgeburt dargestellt. Das Baby liegt eines Morgens einfach plötzlich bei den Eltern im Bett und Jule wird aufgefordert, sich dazu zu legen. Das allein widerspricht schon allen Tipps zu einer gesunden Schlafumgebung für Säuglinge.
Anschließend gibt es noch mehrere Szenen rund um das Thema Stillen, die sicherlich niedlich, aber gewöhnungsbedürftig sind. Wie ist zum Beispiel der pädagogische Wert eines Bildes einzuschätzen, auf dem ein Kind, das seine Mahlzeit beendet hat, am Esstisch seiner Mutter die Bluse hochschiebt, weil es noch gestillt werden will?
Am bedenklichsten ist ein Dialog um Flaschennahrung und Stoffwindeln vs. Einwegwindeln, in dem Jules Vater dem Kind auf sehr intolerante Art und Weise darlegt, dass Stillen und Stoffwindeln der einzig akzeptable Weg seien. Diese Passage kann ich keinem Kind vorlesen. Stattdessen zitiere ich hier immer das Motto unserer Hebamme, das lautet, dass jede Frau das so machen müsse, wie es ihr angenehm ist.
In einer heterogenen Gesellschaft ist dieses Buch ein intolerantes Statement, das eine idealisierte Welt abseits der Realität zeigt und geeignet ist, falsche Erwartungen zu wecken.