Jeder, der sich für die filmische Vergangenheit Deutschlands interessiert, wird schon einmal vom Film "Jud Süß" gehört haben. Bei diesem Film handelt es sich um den Versuch, anhand eines realen geschichtlichen Vorfalles, der jedoch ziemlich verfälscht dargestellt wird, die Juden zu diskreditieren, und die Titelfigur wurde vom Charmeur Ferdinand Marian verkörpert. Marian nahm die Rolle nicht aus freien Stücken an, sondern wurde vielmehr dazu gezwungen, so wie beinahe alle Akteure der Produktion, unter ihnen auch Heinrich George, dem man bei einer Nichtbeteiligung wohl sein Theater weggenommen hätte, in welchem er jede Menge verfemte Schauspieler beherbergte. Marian war das Aushängeschild des Films - sein Gesicht, daß für das Plakat zu einer grünlichen Fratze verfremdet wurde, ist eines der bekanntesten Beispiele für die Darstellung der Juden während der NS-Zeit.
Dieses Buch recherchiert soweit wie möglich die Lebens- und Leidensumstände von Marian, über den wohl immer der Schatten des "Jud Süß" hängen wird, auch wenn er in anderen Produktionen wie "La Habanera" mit Zarah Leander oder etwa "Münchhausen" mit Hans Albers brillierte. Der Autor hat leider die, nun ja, Unart, Ferdinand ständig als "Ferdl" zu bezeichnen - das mag im österreichischem Sprachgebrauch ja gang und gebe sein, stört allerdings den Lesefluß zumindest bei mir gewaltig.
Auf Grundlage dieses Buches entstand der Film "Jud Süß - Film ohne Gewissen" mit Tobias Moretti und Moritz Bleibtreu, jedoch wurden aus dramaturgischen Gründen viele verbürgte Begebenheiten aus Marians Leben verfremdet oder ganz einfach erfunden, um eine filmischere Geschichte erzählen zu können.
Dieses Buch ist empfehlenswert, weil es anhand von Marian sehr anschaulich zeigt, wie man ohne es zu wollen aufgrund äußerer Umstände in Schwierigkeiten geraten kann, die einen noch weit über den Tod hinaus verfolgen. Es wäre wünschenswert, wenn der Autor auch über die anderen Darsteller des Films, wie zum Beispiel Werner Krauß, ein solches Buch verfassen könnte.