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Sören Kierkegaard: Biographie
 
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Sören Kierkegaard: Biographie [Gebundene Ausgabe]

Joakim Garff , Herbert Zeichner , Hermann Schmid
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 960 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (15. März 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446204792
  • ISBN-13: 978-3446204799
  • Originaltitel: SAK Soren Aabye Kierkegaard.
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 15,2 x 5,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 886.132 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Joakim Garff
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Die erste umfassende Biografie des großen Außenseiters, geschrieben von seinem besten Kenner, ist eine fesselnde Expedition in die Bizarrerien des Denkens." Susanne Kunckel, Welt am Sonntag, 21.03.04 "Es ist dem Biographen Garff gelungen, detektivisch all die Indizien zur Sprache zu bringen, die das ganze Werk des dänischen Philosophen als einen "weitverzweigten Entwicklungsroman" lesen lassen." Manfred Geier, Süddeutsche Zeitung / Beilage, 22.03.04 "Joakim Garff ist dem vertrackten Komplex Kierkegaard auf die Spur gekommen... Die erste und wahrscheinlich endgültige Lagebeschreibung." Eberhard Rathgeb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.04 "Garff ist ein witziger Erzähler. Sein materialreiches, aber niemals Stoffhuberei treibendes Buch wird Kierkegaard posthum mehr Freude bescheren als alle bisherigen Biographien." Magnus Schlette, Frankfurter Rundschau, 24.03.04 "Mag das Kopenhagen des 19. Jahrhunderts auch eine kleine, ferne Welt sein, man lässt sich von Garff gerne dort herumführen, zumal er dies mit großer sprachlicher Eleganz und Lust an kleinen vielsagenden Geschichten tut. So gelingt ihm etwas, um das sich Kierkegaard mit weniger Erfolg bemüht hat, nämlich: "Intimität mit Distanz zu kombinieren"." Dieter Thomä, Literaturen, 05/04 "Joakim Garffs meisterhafte Biografie des dänischen Exzentrikers" Otto Kallscheuer, Die Zeit, 19.05.04 "...ein exquisiter Kenner ...lebendige, pointierte Darstellung: eine existenzielle Biographie" Ludger Lütkehaus, Neue Züricher Zeitung, 15.06.2004

Kurzbeschreibung

»Dereinst werden nicht nur meine Schriften, sondern wird gerade mein Leben, die listenreiche Heimlichkeit der ganzen Maschinerie studiert und wieder studiert werden.« Søren Kierkegaard

Sein Leben taugte als Stoff für einen Roman, seine Bücher machten gleich nach ihrem Erscheinen Furore. Was Kierkegaard über Ästhetik, Ethik, Existenz und Religion schrieb, war immer auch Reaktion auf seine eigenen Erfahrungen und Krisen.

Seine Kindheit verbrachte er in einer frommen, strengen Familie in Kopenhagen, als Student gefiel er sich in der Rolle des Dandys, durchlitt leidenschaftlich-aussichtslose Liebesaffären, insbesondere zu Regine Olsen, las und schrieb exzessiv, stritt furios mit Kollegen und vor allem mit der Kirche und frönte einer ausgeprägten Eitelkeit, die sich vor allem in seinem exzentrischen Erscheinungsbild zeigte.

Joakim Garff schildert dieses bewegte Leben und führt den Leser in die weite Gedankenwelt des literarischen Philosophen Kierkegaard ein. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Phantastisch 19. September 2005
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Meisterwerk des Autoren Joakim Garff in einer kongenialen Übersetzung: Ausgebreitet wird das außergewöhnliche Leben des visionären Philosophen und Theologen Kierkegaard. In sein Werk wird gründlich eingeführt, immer mit genauer Analyse der Lebensumstände, Krisen und Selbstanalysen, die zu den einzelnen Schriften führten. Seine Stellung in der Kopenhagener Intellektuellengemeinde wird ebenso ausführlich beleuchtet wie der Mensch Kierkegaard in all seinen Lebensvollzügen bis hin zu seiner physischen Erscheinung. Dazu kommt eine Darstellung eines halben Jahrhunderts europäischer Geistesgeschichte in ihrer dänischen Variante, die einen Einblick in die Zeit bis hinein in die Lebensumstände der Menschen erlaubt. Die Sprache des Buches ist präzise und ironisch, also seinem Subjekt angemessen.
Allein schon das Durchblättern des Fototeils macht Lust aufs Lesen und Kennenlernen der abgebildeten Personen, erzählen doch schon ihren Physiognomien Geschichten.
Ein winziger Wermutstropfen: Leinen-Einband und Lesebändchen hätten den Band sinnlich noch abgerundet.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sören Kierkegaard 17. März 2005
Format:Gebundene Ausgabe
Eine Biographie? Nein, es ist viel viel mehr. Eine höchst detailreich recherchierte Lebensgeschichte in einer spannenden Erzählweise geschrieben, die einen eintauchen läßt in das Leben des Sören Kierkegaard und den Leser führt bis in das innerste Fühlen und Denken, hinein in ein menschliches Labyrinth, aus dem es kein Entrinnen gibt, vom blühenden Anfang bis zum gnadenlosen Ende.
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13 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von FrizzText HALL OF FAME REZENSENT
Format:Taschenbuch
Der Vater des Existentialismus, Sören Kierkegaard, hatte gefordert (seinerseits an Sokrates zurückerinnernd), es doch auch einmal mit Ironie zu versuchen. Kierkegaard experimentierte damit, ein erheblich mehr individualisiertes Lebenskonzept zu verwirklichen als es damals unter dem Horizont orthodoxer Frömmigkeit oder braver Staatsloyalität oder ehelicher Treue denkbar schien. Er benutzte sowohl die Form des philosophischen Essays als auch ausgedehnte literarische Exkurse sowie außerdem riskante Vermengungen mit seiner realen Lebenswirklichkeit, um sein Gedankengebäude voranzutreiben.

Es wird kolportiert, Kierkegaard hätte einen dänischen Pfarrer bewundert, der seiner etwas zu emphatisch gefühlsbewegten Gemeinde zugerufen habe: "Weint nicht liebe Kinder, - es könnte doch auch alles gelogen sein!" Ein anderes anti-klerikales Statement Kierkegaards: "Man kann nicht von nichts leben. Das hört man so oft, besonders von Pfarrern. Und gerade den Pfarrern gelingt dieses Kunststück: Das Christentum ist gar nicht da - und dennoch leben sie davon."

Dies ist Kierkegaards typische Methode der ironischen Haltung, ein Verfahren, sich wirksam vom umgebenden sozialen Milieu zu distanzieren. Die Dissertation des berühmten dänischen Philosophen trug den Titel "Über den Begriff der Ironie - mit ständigem Hinsehen auf Sokrates", bzw. nein, den Titel hatte sie nicht, sondern: "Om Begrebet Ironi med stadigt Hensyn til Socrates..." Die XV. und letzte These seiner vor den Universitätsgremien abzuleistenden Disputation lautete: "Ut a dubitatione philosophia, sic ab ironia vita digna, quae humana vocetur, incipit." Für uns Deutsche: "Ebenso wie die Philosophie mit dem Zweifel, ebenso beginnt ein Leben, das menschenwürdig genannt werden kann, mit der Ironie."

Französische Philosophen wie Jacques Derrida und andere Dekonstruktivisten haben Kierkegaard zu ihrem Lieblingsphilosophen erkoren. Formaler, hölzerner Denk- und Schreibstil war für Kierkegaard eine Grässlichkeit, ob er nun durch eine christlich-konservative Predigt stelzt oder sich in staatlichen Erlassen selbstgefällig gebärdet oder unter Universitätstalaren hervorstaubt - wie zum Beispiel bei Georg W.F. Hegel. Kierkegaard, der in Berlin dessen philosophische Vorlesungen besuchte, hasste es zum "Hegelianischen Idioten" zu degenerieren - wie wohl manch einer seiner Mitstudenten. Kierkegaard resümierte: "Eine leidenschaftliche, tumultartige Zeit wird alles über den Haufen werfen. Eine reflektierende Zeit aber verwandelt die Kraftäußerung in ein dialektisches Kunststück: alles bestehen zu lassen, aber allem hinterlistig seine Bedeutung zu entziehen."

Erst im 20. Jahrhundert entpuppte sich wirklich unübersehbar deutlich das menschenverachtende Element der großen Denksysteme. Ob Marxismus oder Nationalsozialismus, es schien geraten, eher dem einzelnen zu trauen als den indoktrinierten Massen und ihrem degenerierten Gehabe. Natürlich war es immer Ziel einer politischen Kaste, jedes einzelne Erkenntnisbemühen als gemeinschaftsfeindlich zu diskriminieren, ja zu kriminalisieren. Systemgegner hatten wenig zu lachen, wie in allen Zeiten, unter Stalin oder Hitler allerdings ganz besonders.

100 Jahre bereits vor solchen katastrophalen Stabilisierungen falschen Denkens warnte Kierkegaard vor Fehlentwicklungen - schlichtweg genial. Er vermittelte den Gebildeten und Lesefähigen das Selbstbewusstsein, ein Recht zu besitzen darauf, öffentliche Vorgänge stets einer individuellen, intrapersonalen Zensurinstanz vorlegen zu dürfen - und die Ergebnisse, allen bedrohlichen und einschüchternden Vorschriften von "Political Correctness" zum Trotz, auch unbeirrt vorzutragen.

Diese Form von Extrem-Individualismus, so nützlich sie sein mag, sie behinderte andererseits wohl bei Sören K. die Ausformung eines zufriedenstellenden sexuellen Verhaltensspektrums. Er wurde seine Angst nicht los, eventuell erstickend sich zu verheddern in der Beziehung zu seiner langjährigen Verlobten Regine Olsen. Die gab schließlich irgendwann entnervt auf und suchte sich einen anderen. Ersatzweise vertiefte sich Kierkegaard gern und allzu oft in die Lektüre des "Don Juan" und schuf dementsprechend gefärbt sein Hauptwerk "Entweder - Oder" (Hü oder Hott oder gar nicht). Besuchte Kierkegaard Prostituierte?

Joakim Garff, Professor am "Sören Kierkegaard Forschungszentrum" an der Universität von Kopenhagen, muss sich leider diesbezüglich auch nur mit Spekulationen zufrieden geben. Kierkegaards Vater war ein vom Alten Testament fundamental beeinflusster Streng-Christ. Offensichtlich etwas zu häufig labte er sich vor seinem Sohn darin, Sünde und Erbschuld, Gehorsam und Strafe darzustellen. In seiner Publikation über das "Konzept Angst" begrüßt Kierkegaard Angst als kreatives, Freiheit mit-erzeugendes Element in jeder menschlichen Existenz - wie es später Heidegger in "Sein und Zeit" auch ausführen würde.

Keine wirkliche Unabhängigkeit ohne das begleitende, verunsichernde Gefühl, womöglich doch alles falsch anzufassen. Die Angst, bestraft zu werden, ist die nicht zu umgehende Basis des freien Willens und des Mutes, dennoch Entscheidungen zu treffen. Nicht nur moderne Psychologen haben das zu vermitteln, wenn sie die Kraft voranzugehen an depressive Patienten weitergeben wollen; in der Geschichte der Philosophie mühte sich besonders Nietzsche damit ab (sich ebenfalls gegen Hegel wendend), ein vergleichbares Niveau wie Kierkegaard zu erklettern - und überstieg es eventuell sogar in seiner "Genealogie der Moral". Auch er, riskant mit dem Konstrukt eines Übermenschen herumfuchtelnd, verließ schnöde den sicheren Boden des eingeführten Christentums.

"Wie eine Prinzessin aus 1001 Nacht rettete ich mein Leben durch Erzählen, das heißt durch literarisches Produzieren. Schwere Melancholie, inneres Leiden, alles konnte ich meistern - wenn ich nur etwas schreiben durfte. Misshandlungen, welche andere Leute um den Verstand gebracht hätten - mich machten sie nur umso produktiver", notierte Kierkegaard, der sich wohl stets etwas mehr als Poet denn als Philosoph empfand.

Sein Horror vor der zwingenden, immer mehr vom Journalismus multiplizierten Gleichmacherei allen Urteilens, - dieser Schrecken zeigte sich in Formulierungen wie: "Die Menge ist die Unwahrheit..." "An die Kategorie DER EINZELNE ist meine etwaige Bedeutung geknüpft. Ich erkannte es als meine Aufgabe, darauf aufmerksam zu machen." Kierkegaard hatte in der Tat (eher: spöttischen Tatenlosigkeit) den Mut, sich zurückwerfen zu lassen auf ein höchst subjektives, von nicht sonderlich viel Außenbeifall begleitetes und zuweilen verzweifelt einsames Urteilen. Auf der Rückseite der Medaille spielten sich nervöse Zänkereien zwischen Kierkegaard und der örtlichen Presse, dem Kopenhagener "Korsar", seinen Kolumnisten und Karikaturisten ab. Was könnte man hierzu Ironisches beitragen? Kierkegaard vermerkte dialektisch fast besser als Hegel:

"Wie vielleicht manche Sache verloren ging, weil der Beistand der Welt ausblieb, so wurde auch manche Sache verdorben, weil die Welt (Hinz und Kunz) mithelfen durfte."

Kierkegaard starb mit 42 Jahren, fiel tot auf der Straße um, exakt in dem Moment, als das vom Vater ererbte Geld aufgebraucht war. Kierkegaards tapfere anfängliche Ironie war im zunehmenden Lauf seines Lebens von einer leider noch viel beharrlicheren Angst vor allem und jedem besiegt worden. "In einem jeden Zustand ist die Möglichkeit gegenwärtig und insofern die Angst..." Kierkegaard war wohl kein Tatmensch wie Hemingway, aber er war ein zutiefst dynamischer Denker, einer der wichtigsten Starter modernen Weltbewusstseins.

Kierkegaard schrieb das meiste unter Pseudonym. Das gab es von Spinoza bis Ibn Warraq in der Geschichte der Philosophie betrüblich oft. Ohne den schützenden Deckmantel der Anonymität drohte einem allzu häufig das Schicksal eines Giordano Bruno oder Sokrates...

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