Durch einen Fluch, den eine Ahnin Auroras vor Jahrhunderten webte, entstanden die Larvae, furchterregende Wesen, die des Nachts durch die Straßen Roms geistern, im Bestreben die Nachkommen ebenjener Ahnin auszulöschen. Nachdem sie vor zwei Jahrzehnten Auroras Vater töteten, ist die junge Strega nun die letzte Überlebende ihrer Sippe, der Hexengilde Braglia. Abgeschottet fristet sie ihr Dasein in einem Kloster. Eines Tages erhält sie Besuch von ihrem Vormund Tizzio di Mannero, seines Zeichens Anführer der roten Wölfe, dessen Gefährtin vermisst wird. Da er vermutet, dass die Larvae dahinter stecken, bittet er Aurora um Hilfe. Diese ist jedoch nicht bereit, sie ihm zu gewähren, denn Tizzio hat ein ihr vor langer Zeit gegebenes Versprechen nicht eingehalten, und außerdem besitzt sie keinerlei erkennbare Magie. Da sie ihm keine direkte Absage erteilen will, stellt sie eine Bedingung, von der sie glaubt, dass der Werwolf sie nicht zu erfüllen vermag. Aurora wünscht sich einen Gefährten, einen Mann, der sie beschützen und verteidigen soll. Entgegen ihrer Annahme wird dennoch ein bestens geeigneter Kandidat ausgemacht: der Lebemann und Schwerenöter Ruben de Garou. Dieser weilt auf Geheiß seines Bruders Cassian in Rom, um dessen Schwiegervater, den Vampir Mica, bei seinen Bemühungen, zwischen Werwölfen und Vampiren Frieden zu schließen, zu unterstützen. Aber Ruben denkt nicht daran sesshaft zu werden, und nur eine in Aussicht gestellte delikate Belohnung kann ihn bewegen, in eine Scheinehe mit Aurora einzuwilligen. Diese ist sich dessen durchaus bewusst. Gleichwohl stimmt sie zu. Bald schon verliebt sie sich in den gutaussehenden Werwolf, durch dessen Stärke Auroras Magie erwacht. Seine Ehre gebietet ihm, dass er ihr im bevorstehenden Kampf gegen die Larvae zur Seite stehen wird. Doch kann sie auch seine Liebe erringen?
Sowohl die hervorragend ausgearbeitete Geschichte als auch Lara Wegners wundervoll unterhaltsamer, überaus bildreicher Schreibstil hatten mich schon nach wenigen Zeilen voll im Griff. Ich tauchte ein in einen mit Höhepunkten und Überraschungen gespickten Plot, suhlte mich geradezu in tiefsinnig-dramatischen oder anrührend-amüsanten Passagen, während ich die intelligenten Dialoge der interessanten Figuren verfolgte. Nachdem die letzte Seite umgeschlagen war, erwachte ich wie aus einem Traum und hätte am liebsten gleich wieder von vorne begonnen.
Lara Wegner schreibt überwältigend vielseitig. Ihre Palette reicht von hochdramatisch über fesselnd bis spannend, dann wieder locker-leicht und witzig bis zu poetisch und ungemein mitreißend. Sie scheint über einen schier unendlichen Wortschatz zu verfügen, denn Wortwiederholungen sucht man vergebens. Zudem bestimmen überwiegend kurze, aussagekräftige Sätze das Gesamtbild. Lara Wegner schreibt nicht einfach - sie jongliert mit Worten.
Während der Serienauftakt "Im Bann des Wolfes" vor der Kulisse von Paris spielt, nimmt die Autorin den Leser dieses Mal mit auf eine Reise in die italienische Hauptstadt. Dabei ist unübersehbar, dass sie sich in Rom bestens auskennt.
In "Die Braut des Wolfes" verdichten sich diverse Informationsfragmente aus dem Vorgänger zu Handlungs-Zahnrädern, die allmählich ineinanderzugreifen beginnen. Zum besseren Verständnis und größeren Genuss empfehle ich deshalb mit dem 1. Band der Reihe zu beginnen.
Während ihre Existenz im ersten Teil nur kurz erwähnt wurde, wird dieses Mal das Thema weibliche Vampire näher durchleuchtet. Mit Selene und Berenike bekleiden gleich zwei Lamias größere Rollen, wodurch interessante Details über die sich von den männlichen Vampiren ziemlich unterscheidenden, an Schwarze Witwen erinnernden Geschöpfe offenbart werden. Auch geht Lara Wegner im vorliegenden Buch genauer auf die Entstehung der Werwolf-Spezies ein.
Die ausnahmslos sehr lebensecht dargestellten Akteure besitzen Ecken und Kanten. Sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren lassen sich nicht in Schubladen einordnen, sogar die weniger "Guten" zeigen gelegentlich sympathische Wesenszüge.
Allmählich kristallisieren sich Rubens Dämonen heraus, wodurch sein Verhalten, das man bereits im Vorgänger flüchtig verfolgen konnte, einleuchtet. Trotzdem war ich ob seines anfänglichen Benehmens nicht nur leicht irritiert. Er entwickelt sich im Lauf der Geschichte, bleibt aber dennoch er selbst. Eine überaus einschneidende Entwicklung macht Aurora durch. Es ist wunderschön zu verfolgen, wie aus der unscheinbaren Nonne aus Santa Susana eine selbstbewusste, zuweilen recht dickköpfige Strega wird und ihre scheinbar kaum vorhandene Magie erwacht. Die Entstehung beider Liebesbeziehung erscheint plausibel und wird romantisch und, mit einigen ansprechenden erotischen Szenen, prickelnd präsentiert.
Die Besetzungscrew ist nicht unbedingt klein, aber dennoch übersichtlich. In den Eingangsszenen begegnet man Cassian und Florine, erfährt Neuigkeiten über die Helden des 1. Teils, die inzwischen gute Bekannte des Lesers sind. Ebenso wie Vampir Mica, der auch dieses Mal eine zentrale Rolle übernimmt. Dessen Schwester Berenike avanciert im nächsten Band zur Hauptprotagonistin, wo sie dem Oberhaupt des Garou-Rudels und Rubens Vater Juvenal begegnet. Das wird insofern interessant, als sie Werwölfe abgrundtief hasst. Mithin darf man gespannt sein auf unterhaltsame Konfrontationen, und ich freue mich schon auf November, wenn er erscheint, der "Der Fürst der Wölfe"!
Fazit: Auf höchstem Unterhaltungslevel, teils tiefsinnig, teils amüsant und mit tollen Figuren versehen ist "Die Braut des Wolfes" rundum gelungen. Dank Lara Wegners exzellenter Schreibkunst las ich nicht einfach einen Roman, sondern genoss eine Sinfonie aus Worten. Das ist der Stoff, aus dem Keeper gemacht sind!