Wir befinden uns zur Zeit König Ludwig XV von Frankreich, also im 18. Jahrhundert. Die Geschichte beginnt in Versailles, einem Vorort von Paris, in einem vom Madame Chrysantheme geführten Kurtisanenhaus. Ein Ort, der den Besuchern keine Wünsche offen läßt.
Florine ist die Hauptprotagonistin dieses Werkes von Lara Wegner (Pseudonym der Autorin Antonia Munoz). Florine wurde einst als Findelkind in das Haus von Madame Balbeuf gebracht. Mit 9 Jahren floh sie, da das Leben unter Madame kaum zu ertragen war. Hunger. Kälte. Beißende Armut. Sterbende Kinder.
Madame Chrysantheme nahm die kleine Florine als Kammerzofe auf. Florine nutzte ihre Zeit gut und ist nun - 9 Jahre später - das, was man die rechte Hand der Madame Chrysanthme nennen kann. Ein wahres Organisationstalent, wenn es um das professionelle Gestalten von Festivitäten aller Art geht, die in Chrysanthmes Haus stattfinden. Hoch angesehen unter den Höflingen. Doch hinter Florines augenscheinlicher Normalität versteckt sich ein außergewöhnliches Geheimnis.
Auf einem von Florine ausgestatteten Festen kommt sie unverhofft in eine lebensgefährliche Situtation und rettet Cassian de Garou das Leben. Cassian, der Hauptprotagonist, ist ein typischer, dominanter Alpha und einer der drei Söhne von Juvenal, einem hochrangigen Fürsten eines uralten Werwolf-Geschlechts. Er vertreibt sich all zu gerne seine Zeit mit dem schönen Geschlecht und ist etwas überrumpelt, als er sich außerordentlich zu Florine und deren außergewöhnlichem Duft, hingezogen fühlt. Sie entspricht so gar nicht seinem sonstigen Geschmack was Frauen betrifft. Nichtsdestotrotz trägt Cassian de Garou schwer daran, daß der Vollmond einmal im Monat seinen Tribut verlangt: Die Bestie, die in Cassian lebt, will mit aller Gewalt nach draußen. Und ich spreche hier nicht von einem "harmlosen" Wolf.
Der Gegenspieler Cassians ist Mica "der Goldene" - Herr über die Vampire von Paris. Er hat sich aus seinem Leben als Oberhaupt zurückgezogen, weil er seine über alles geliebte Frau Marie an die Namenlosen verloren hat. Mica hält sich von allem fern, bis zu dem Zeitpunkt, als er, eingefädelt durch seinen Handlanger Saint-Germain, mit Florine zusammentrifft. Für Mica hält jetzt das Leben in Form von Florine wieder Einzug.
Florine wird durch ihr beherztes Handeln in einen Kampf hineinbezogen, dessen Ausmaße sie nicht erfassen kann. Sie glaubt weder an Werwölfe, noch an Vampire oder an deren gemeinsamen Feind: die Namenlosen - die aus den Katakomben von Paris kommend Angst und Schrecken verbreiten. Doch beherzt wie Florine nun einmal ist, stellt sie sich immer wieder ausweglos scheinenden Situationen. Sie sagt denen den "Kampf" an, die sich ihr in den Weg stellen. Egal ob Juvenal, Mica, Cassian, den Bestien oder den Namenlosen. In ihrer Brust schlägt das Herz einer Kriegerin.
Lara Wegner ist mit "Im Bann des Wolfes" ein brillianter Serieneinstieg der "Söhne der Lunda" gelungen. Die Autorin hat eine außerordentlich fesselde Art zu schreiben. Sie schafft in diesem Roman eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Man wird als Leser, durch ihre wundervoll bildhafte Sprache, förmlich in die Geschichte hineingezogen. Ich hatte das Gefühl, als würde ich im Kino sitzen und mir "Im Bann des Wolfes" ansehen. Gekonnt hat Lara Wegner den Spannungsbogen mit Romantik, Spannung, Mysteriösem, stilvollen erotischen Momenten bestück. Ein 357 Seiten langes, fantastisches Leseerlebnis. Könnte ich sechs Punkte verteilen, diese historisch-paranormale Erzählung würde sie bekommen. Unbedingt selbst lesen!