Dieses Album hätte man nicht "Sängerkrieg", sondern "Requiem" nennen sollen, immerhin handelt es sich hier eindeutig um die Totenklage einer einstmals guten Band. Ich bin seit den genialen Albuen "Weckt die Toten" und "Verehrt und Angespien" ein großer Fan von In Extremo, besitze sämtliche bisherigen Alben, mochte sogar die etwas rockigeren Stücke auf "Sünder ohne Zügel", habe auch auf "7" und "Mein rasend Herz" jeweils noch einige Lieder vorgefunden, die ich sehr schätze - aber das hier geht zu weit. Wie schon mehrere Rezensenten vor mir angemerkt haben, hat das Album nichts mehr mit der Band zu tun, die In Extremo einmal waren. So weh es mir auch im Herzen tut: Ein eventuell noch folgendes weiteres Album dieser Band werde ich mir NICHT mehr kaufen, es sei denn, sie machen eine drastische Rückbesinnung auf ihre Wurzeln.
Beim ersten Durchlauf der CD habe ich wirklich gedacht, meine Güte, was ist DAS denn? Das Album fängt grausam an. Sowohl "Sieben Köche" als auch der Titelsong "Sängerkrieg" sind uninspirierter Krach mit primitiv-peinlichen Texten. Von der Selbstironie früherer Zeiten nichts mehr übriggeblieben.
Das erste Lied auf der CD, das gute Ansätze zeigt, ist "Mein Sehnen". Ich habe das Gefühl, daraus ließe sich musikalisch eine Menge machen - wenn man denn den Mut zu den früher einmal für In Extremo charakteristischen Arrangements hätte. Das Lied an sich ist aber eine recht gute Komposition mit Potenzial, das leider bei dieser Aufnahme vertan wurde.
Das nächste gute Stück ist besagtes "Requiem", bei dem ein Text von Francois Villon vertont wurde. Schön gemacht und einer meiner Anspieltips auf dem Album.
"Frei zu sein" ist... nett. Nicht so, dass man sich darüber beschweren müsste, aber auch nicht wirklich überzeugend. Die Single davon werde ich mir jedenfalls nicht kaufen, dafür reicht es nicht.
Der darauf folgende "Zauberspruch" ist dafür wieder sehr schön und erinnert an die Anfänge der Band: Ein estnischer Text mit sehr gutem Folk-Arrangement. Hörenswert.
"Tanz mit mir" ist ein Lied, was mich persönlich sehr gefreut hat: Es ist zwar beim besten Willen nicht mehr als Mittelalter-Rock zu bezeichnen, aber doch ein sehr ordentlich gemachter Song mit gutem Text und passendem Arrangement. Sicher ein Highlight für kommende Konzerte. Vielleicht sogar mein Lieblingslied auf dem Album.
Leider ist das Lied direkt danach, "An End has a Start", langweilig und komplett überflüssig und vermutlich nur auf dem Album gelandet, weil irgendein Manager der Meinung war, CDs verkaufen sich nur, wenn zumindest ein Lied auf Englisch gesungen wird. Anders kann ich mir das nicht erklären. Hier wird eindeutig die Viva-Kundschaft bedient.
"Auf's Leben" ist der leider mißglückte Versuch, eine Art Hymne zu schaffen, scheitert aber am entsetzlich schlechten Text.
Fazit: Von mir gibt es trotz meiner Enttäuschung für dieses Album noch 3 Sterne. Es sind einige wirklich gute Lieder (Mein Sehnen, Requiem, Zauberspruch, Tanz mit mir) dabei, die mich daran hindern, die CD als kompletten Fehlkauf abzubuchen. Leider ist der Rest des Albums belangloser Einheitsbrei oder sogar (vor allem, was die ersten beiden Stücke betrifft) extrem daneben. Durchlaufen lassen kann man dieses Album jedenfalls nicht, ohne dabei durchzudrehen. Schade.