"Der Papst, der König, die Bischöfe, die Häretiker, die Moros, jeder hat eine andere Wahrheit........"
(Peire de Valleronca, Troubadour und Graf)
Am 19.07.1195 konnte der dritte Kalif der Almohadendynastie von Sevilla, Yaqub al-Mansur, in der Schlacht bei Alarcos den letzte großen militärischen Sieg des maurischen Al-Andalus erringen und der Reconquista für die folgenden 17 Jahre noch Einhalt gebieten.......
Die promovierte Historikerin Regina Maria Kaiser lässt ihren Roman "Der Sänger und die Ketzerin" zwanzig Jahre vor der Schlacht bei Alarcos mit einer Razzia iberischer Christen in maurisches Territorium beginnen. Nachdem der Bauer Antoni in einem Gefecht dem Grafen Julian de Valleronca das Leben retten konnte, wird beiden von einer Wahrsagerin die Zukunft ihrer Söhne prophezeit. Diese offenbart sich in drei parallel, sich teilweise trennenden und wieder zusammenlaufenden, Handlungssträngen bei denen die Lebensgeschichten des Troubadors Peire de Valleronca und seines Dieners Marti (Sohn von Antonis) mit dem Schicksal Leonore Trencavel von Cervara, die sich den "Bonhommes" zuwendet, in tragischer Weise verwoben sind......
Neben den zahlreichen historischen Personen, die ohne jegliche Schwarzweissmalerei präsentiert werden, bietet der Roman auch bei seinen fiktiven Figuren stets eine differenzierte Charakterdarstellung. In seiner Art, wie er die spanische Reconquista mit den Albingenserkreuzzügen im Langedoc zusammenführt, stellt er zudem eine Rarität dar. Ebenso ist die objektive Auseinandersetzung der Autorin mit Glaubenskriegen und Fanatismus jeglicher Richtung zudem ein Appell für religiösen Toleranz. Die Vielzahl hervorragend recherchierter Details verdichten sich zu einem authentischen Szenario des Romans, der das Prädikat "historisch" verdient. Besonders gelungen sind auch die Materialen des Anhangs, die aus einer Zeittafel, einem Glossar, einem Personenverzeichnis (historische Gestalten) und je einer Karte Iberiens und des Languedoc zusammengestellt wurden.
Der Roman "Der Sänger und die Ketzerin" ist besonders empfehlenswert, da er sich in von der Vielzahl anderer Genreromane über Okzitanien, Troubadoure und Katharer (die häufig einseitig idealisiert werden) abhebt. Der Ausblick in der Schlussbetrachtung der Autorin lässt zudem auf eine Fortsetzung hoffen, durch die ein Geamtepos entstehen kann, das an "Die Brücke von Alcantara" von Frank Baer erinnert......
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