andras schiff, ein seriöser, äusserst feinsinniger pianist, der gerade eben seinen beethoven, alle piano-sonaten, eingespielt hat, die einige
als zu einseitig weichzeichnend, partiell verzärtelt empfunden haben
und den 'sforzato'-zugriff vermissten, ist nun u.a. von 'universal'
bach-kompiliert worden: musik für tasteninstrumente -
einen steinway oder börsendorfer wird man klanglich auch
intentional bei bach ausschliessen können -
aber dies ist, auch hist. aufgeklärt, ein weites feld!
gulda und gould haben allerdings dargestellt, dass bach auch auf dem steinway durchaus un-romantisch, aber in seiner architektur überzeugend klingen kann.
und edwin fischer hat bach mit strengem timing gross strukturiert.
schiff zelebriert eher das delikat-klangliche, er verzärtelt -
pianistisch souverän - die strukturen, ihm liegt das 'sfumato' näher
als das struktur-betonende 'sforzato'.
bach war aber der erfindungsreiche stuck-ateur, der nachmodelliert,
re-konsturiert werden will.
jo.kaiser ('grosse pianisten') hat in einer der wiederauflagen den
jüngeren schiff aufmerksam interpretiert:
'' selbständig und elegant fügt er bei den wiederholungen der
'goldberg-v.' freie verzierungen und manieren hinzu.
sein musizieren kann von faszinierender beredsamkeit sein.
pretiosität ensteht bei ihm weniger aus heftigem subjektivismus
als aus übermut.
selbst wo die 'goldberg-variationen' so 'tief' sind wie
nur irgendeine musik dieser welt bietet schiff sie ...
als fast immer zartes, manchmal allzu geistreiches spiel.
...manchmal etwas zu weich, zu elegisch persönlich.
mystifizierender übereifer beschädigt die chromatische fantasie.''
auch wenn unsereins kaiser nicht zu wortwörtlich nimmt,
von seiner unumstrittenen kompetenz als pianist daselbst einmal abgesehen,
muss man ihm doch zu-hörend beipflichten, dass schiff
eine tendenz zum prätentiösen, ja zur pretiosität hat,
die dem protestanten bach, dem pragmatiker inadäquat ist.
also: empfehlenswert für bach-romantiker,
aber nicht für alle musik-, speziell: bach-freunde.