Dieses Bändchen von Robert Walser versammelt eine ganze Reihe kleiner Erzählungen und Geschichten aus seinem eigenen Poetenleben. Er subsumiert hierin seine Erfahrungen als Wanderpoet, als einer, der durchs Leben zieht und auf gut Glück versucht, seinem Talent und Gefühl gemäß bei sich selbst und im Leben anzukommen.
Über München und dessen Künstler- und Literatenbohème schreibt Walser: "In München hatte ich einige literarische Persönlichkeiten von Rang und Belang bestens kennengelernt, aber ich hatte seltsame, drückende Empfindungen bei den künstlerischen und literarischen Assembleen, für die ich nicht recht taugte. Das Nähere und Genauere weiß ich nicht mehr genau: nur so viel weiß ich: mich trieb es aus allen Salons, wo Feinheiten und Exküsen herrschen, fort in die offene Welt, wo Wind, Wetter, grobe Worte, unsanfte barsche Manieren und alle Rücksichtslosigkeiten und Rauheiten regieren." (Seite 36)
Der Schweizer Robert Walser liebt das Leben der einfachen Menschen, nicht jener gekünstelten der Salons und literarisch bürgerlichen Kreise; und das, obgleich seine Sprache, sein literarischer Habitus weit entfernt vom Sprachgebrauch dieser Menschen liegt. Und so mag es noch manchem heute ergehen, der ein Buch von Walser in die Hand nimmt. Jedoch sollte man es dennoch tun, denn die Sprache dieses Autors und Schriftstellers gehört noch heute zum besten, was man lesen kann.
Walsers Sprache ist weich und hart, fein ziseliert und stilsicher fest. Walser liebt die ironische Logik, den versponnenen Vergleich und den überraschenden Widerspruch. Er weiß Bilder in komplexen Sätzen fein auszubreiten, doch immer so, dass die Lektüre fast schon zu leicht von der Hand geht. Dennoch muss man bei ihm mit sprachlichen Überraschungen rechnen, den Gebrauch von Worten, auch Neuschöpfungen, die man so und als solche noch niemals gehört hat.
Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend (Weltliteratur oder Tendenz zu Weltliteratur); 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.