William Shakespeare (1564-1616) gilt nicht nur als der bedeutendste Dichter Englands, er gehört weltweit zu den am meisten aufgeführten und verfilmten Dramatikern der Weltliteratur. Mit seinem Werk vermochte er, die Welt in all ihrer Vielfalt und ihren Widersprüchen darzustellen. Er schrieb etwa 37 Dramen und Versdichtungen (darunter eine Sammlung mit Sonetten), die alle wegen ihrer beispiellosen inhaltlichen und formalen Komplexität bis heute Bestand haben.
Shakespeare Werke teilen sich in die Historien (Königsdramen), Komödien, Tragödien und Poetische Werke (darunter die Märchendramen) auf. Dieser Einteilung folgt auch die vierbändige Ausgabe sämtlicher Shakespeare-Werke aus dem Berliner Aufbau-Verlag. Auch bei der Übertragung der Werke griff der Verlag auf Bewährtes zurück, auf die bekannte Shakespeare-Übersetzung von August Wilhelm Schlegel und Ludwig Tieck, die von Dorothea Tieck und Wolf Heinrich von Baudissin fortgeführt wurde.
Diese wohl bedeutendste Sprachleistung der Romantik und die größte Übersetzung seit Luthers Bibel ist bis heute unübertroffen in ihrer Poesie und Schönheit. Und diese vier Bände bestätigen es ebenfalls eindrucksvoll: mit der Klarheit der Sprache, der Wortwahl und dem Reimschemata ist die sogenannte Schlegel/Tieck-Übertragung bis heute unerreicht.
Dieses "große Sprachkunstwerk" wurde in der vorliegenden vollständigen Shakespeare-Ausgabe aber komplett neu kommentiert. Diese am Ende jedes Bandes stehenden Schlussbemerkungen zu den einzelnen Werken informieren nach dem gegenwärtigen Forschungsstand über Textüberlieferung, Datierung, Quellen und aktuelle Bezüge. Die Erläuterungen zu Personen, Begriffen und Sachverhalten sind nach heutigen Erkenntnissen abgefasst und erweitert.
Die zehn "Königsdramen" (Band "Historien") stellen ein breit angelegtes Geschichtspanorama von blutigen Familienfehden, von Krieg, Betrug, Unzucht und Mord dar. Sie präsentieren die englische Geschichte in zusammenhängenden Zyklen. Die zehn Tragödien aus dem Band "Tragödien" entstanden überwiegend in der mittleren Schaffensperiode. Vor allem die "großen Tragödien" ("Hamlet", "Othello", "King Lear" oder "Macbeth") bringen bedeutsame Gestalten und beispielhaftes Geschehen auf die Bühne. Sie gehören zu den unbestrittenen Meisterwerken Shakespeares.
Der Band "Komödien" vereint die frühen Komödien, die meist heitere Stücke mit humorvollen Zügen oder raffinierten Verwechslungen sind. Hier knüpfte Shakespeare an die mittelalterliche Traditionen des Volksschauspiels an. Der Band "Komödien & Poetische Werke" bringt dagegen die späten Komödien, die meist einen ernsten Ton anschlagen oder epische Märchendramen sind. Den Abschluss bilden hier die Versepen und Sonette von Shakespeare.
Sämtliche Werke von William Shakespeare auf 4.000 Seiten - für diesen Preis und dazu in einer gediegenen Ausstattung und in einem lesefreundlichen Format. Druck, Bindung und Papier sind von guter Qualität (vor allem die Einbände sind strapazierfähig). Preiswerter wird man kaum etwas Vergleichbares finden. Dieses Sammlung der Werke Shakespeares lässt jedenfalls keine Wünsche offen.
Manfred Orlick