Die Aufnahme macht einen leicht statisch-introvertierten Eindruck, da wird nicht vorwärts gestürmt und es findet auch keine Auseinandersetzung zwischen Solisten und Orchester statt; obwohl sie in HIP eingespielt ist, wirkt sie retroperspektiv-abgeklärt, ohne dass die Solistin dabei jetzt an Virtuosität und Kunstfertigkeit spart. Und dann passiert es, dann ist sie da: Die kolossalste Kadenz, die ich bis jetzt je zu diesem Konzert gehört habe!
Grundlage für sie ist die originale Klavierkandenz mit obligatorischer Pauke aus der Klavierkonzertfassung von OP.61, nur dass sie im Gegensatz zur Schneiderhan-Fassung nicht für eine Violinstimme sondern für zwei eingerichtet ist. Bei Liveaufführungen sollte die zweite Stimme von der ersten Geige gespielt werden, hier hat sie Frau Kopatchinskaja selbst mit ein- und bei der Aufnahme sich dann zuspielen lassen.
Besonders in HIP mag eine solche Vorgehensweise vielleicht etwas absurd sein, aber egal, was man davon hält, das Resultat ist fantastisch, zumal die Violinstimme sehr präsent eingefangen ist und speziell bei dieser Kadenz auch noch die Pauken sehr deutlich herauskommen.
Die anderen Werke auf dieser CD, insbesonders die Romanzen interpretiert Frau Kopatchinskaja sehr gesanglich und naiv, ein Ansatz, der den beiden Romanzen vorzüglich zu Gesichte steht, das mit eingespielte frühe Violinkonzert ist nur Fragment.