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Sämtliche Werke: Philosophische Bibliothek, Bd.93, Theologisch-politischer Traktat: BD 3
 
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Sämtliche Werke: Philosophische Bibliothek, Bd.93, Theologisch-politischer Traktat: BD 3 [Taschenbuch]

Baruch de Spinoza , Günter Gawlick
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 369 Seiten
  • Verlag: Meiner; Auflage: 3., durchges. A. (1994)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3787311912
  • ISBN-13: 978-3787311910
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 12,4 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 463.679 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Benedictus de Spinoza
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der Traktat wurde als politische Tendenzschrift entworfen und ist ein frühes Plädoyer für die Freiheit philosophischen Denkens. Darin verteidigt Spinoza die Autonomie der Vernunft und das Prinzip der voraussetzungslosen Wissenschaft gegen staatliche Willkür und die Ansprüche der Theologie.

Über den Autor

Baruch de Spinoza (1632-1677) war der Sohn einer portugiesischen Kaufmannsfamilie mit iberisch-jüdischen Wurzeln. Bald schon setzte er sich kritisch mit dem orthodoxen Judentum auseinander, was ihm 1656 die Verbannung aus der jüdischen Gemeinde eintrug. Die Exkommunikation beförderte seine Bibel- und Religionskritik und schlug sich in den beiden auf den Index gesetzten Hauptschriften, der Ethik und dem Tractatus theologico-politicus, nieder. Philosophiegeschichtlich nimmt Spinoza innerhalb des Rationalismus einen bedeutenden Stellenwert ein und gilt als Pionier der europäischen Aufklärung.

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Format:Taschenbuch
Die "theologisch-politische Abhandlung" ist vielleicht für die heutigen Leser das am wenigsten interessante Werk Spinozas, denn die höhere kritische Bewegung die Spinoza angeregt hat, machte Selbstverständlichkeiten aus den Lehren, für die Spinoza sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte. Dennoch bleibt dieses Werk eine geistesgeschichtliche Pionierarbeit. Spinoza analysierte erstmals die heiligen Schriften nach einer modernen historisch-kritischen Methode und schränkte so absolute Wahrheitsansprüche - einschließlich einer mosaischen Verfassung - auf die Relativität der jeweiligen Zeitepochen und ihrer Wertesysteme ein. Lediglich jene allgemeinen moralischen und religiösen Prinzipien der Bibel blieben für ihn gültig, die mit einer natürlichen und vernünftigen Ethik übereinstimmten, wie die Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Frieden und Gottesliebe. Die Religion sollte als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung betrachtet werden. Einer verkrusteten, bornierten, unfehlbaren Theologenherrschaft setzte er die Selbstbehauptung eines denkenden Individuums entgegen, das sich seiner Fehlbarkeit durchaus bewusst ist: "Ich weiß, daß ich ein Mensch bin und daß ich habe irren können", schreibt einer der bescheidensten Philosophen in der europäischen Philosophiegeschichte.
In dieser Schrift geht es also vor allem um ein Plädoyer für die Gewissens- und Gedankenfreiheit ("so habe ich mir fest vorgenommen, die Schrift von neuem mit unbefangenem und freiem Geist zu prüfen..."), für religiöse Toleranz ("Ich habe mich oft darüber gewundert, daß Leute, die sich rühmen, die christliche Religion zu bekennen, also Liebe, Freude, Frieden, Mäßigung und Treue gegen jedermann, dennoch in der feindseligsten Weise miteinander streiten und täglich den bittersten Haß gegeneinander auslassen, so daß man ihren Glauben leichter hieran als an jenen Tugenden erkennt.") und für die Trennung von Theologie und Philosophie/Vernunft ("Diejenigen sind also ganz und gar auf falschem Wege, die die Autorität der Schrift mit mathematischen Beweisen darzutun versuchen.").
Die Hauptthese des Werkes besagt, dass die Sprache der Bibel absichtlich metaphorisch oder allegorisch sei, dass man sie also nicht wortwörtlich nehmen darf, was leider christliche Fundamentalisten immer noch tun. Nicht nur weil sie der orientalischen Neigung zu großer sprachlicher Farbigkeit und Ausschmückung und zu übertriebenen Ausdrücken und Schilderungen unterworfen ist, sondern auch weil die Propheten und Apostel, indem sie ihre Lehren durch Anregung der Einbildungskraft zu verbreiten suchten, gezwungen waren, sich der Aufnahmefähigkeit und den Anlagen des Volksgeistes anzupassen, bediente man sich jener metaphorischen Sprache. "Da die Bibel zuerst für ein ganzes Volk und später für das ganze Geschlecht offenbart wurde, so mußte ihr Inhalt der Fassungskraft des niederen Volkes angepasst werden", schreibt Spinoza. Die Bibel "will nicht die Vernunft überzeugen, sondern die Einbildungskraft und das Gefühl der Menschen erregen und beschäftigen." Daher die Unmenge von Wundern und wiederholten Erscheinungen Gottes im Alten und Neuen Testament. Die gläubigen Menschen gefallen sich in der Vorstellung, dass Gott für sie die Ordnung des natürlichen Geschehens durchbreche, "denn die Menge glaubt, daß sich die Macht und Vorsehung Gottes dann am deutlichsten offenbare, wenn etwas Ungewöhnliches in der Natur geschieht." So erfanden die Juden eine wunderbare Deutung für das Längerwerden der Tage, um andere und vielleicht auch sich selbst davon zu überzeugen, dass sie die Lieblinge und Auserwählte Gottes seien. Nüchterne und genaue Darlegungen bewegen das Gemüt der Menge nicht. Auch die Apostel nahmen aus demselben Grund Zuflucht zu den Wundergeschichten. All dies bestätigt nur die Ansicht von Spinoza, dass die Bibel "nichts Philosophisches, sondern allein die Frömmigkeit lehrt."
Auf Grund dieser Einsicht gedeutet, enthält die Bibel nichts, sagt Spinoza, das der Vernunft widersprechen würde. Wörtlich genommen ist sie aber voll von Irrtümern, Widersprüchen und offenkundigen Unmöglichkeiten, genau wie die Behauptung, dass die fünf Bücher Mosis von Moses geschrieben seien. Spinoza ist sich natürlich dessen bewusst, dass das gläubige Volk stets nach einer bilderreichen, märchenhaften und mit dem Glorienschein des Übernatürlichen geschmückten Religion verlangen wird, als Philosoph aber kann er sich diesem Aberglauben nicht beugen. Der Philosoph weiß, dass Gott und die Natur dasselbe Wesen sind, das notwendig und unwandelbaren Gesetzen gemäß handelt. Er weiß, dass in der Bibel "Gott nur entsprechend der Fassungskraft der Menge und aus bloßer Schwäche des Verstandes als Gesetzgeber und Fürst geschildert und gerecht und barmherzig genannt wird; daß in Wirklichkeit Gott alles nach seiner Natur... leitet und seine Beschlüsse und Gebote ewige Wahrheiten sind."
Da Spinoza ein entschiedener Gegner von Leichtgläubigkeit, Vorurteilen, und Streitereien um spekulative Dinge in den Religionen ist, wünscht er sich von einem gerechten Staat Staatsgesetze, wo "nur Taten gerichtet, Worte aber straffrei gelassen" werden. Für die Gegenwart bedeutet das die Abschaffung des Gotteslästerungsparagraphen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ernst-Gust Krämer VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Spinozas Traktat ist die älteste und schönste "Entmythologisierung" der Bibel.
Politiker dürfen im Traktat eine Lobpreisung der Demokratie sehen, die heute noch Gültigkeit hat. Von ihm beschriebene Regimekritiker sehen zum Teil unseren "68ern", an einigen Textstellen den RAF-Terroristen verblüffend ähnlich. Goethe sah im Philosophen Spinoza seinen "Leitstern", war aber mit der im Traktat entwickelten Toleranz noch nicht so ganz einverstanden. Schon bald aber hatte sich Spinozas Toleranzbegriff in aller Welt durchgesetzt. Vor Erscheinen des Traktats war "Toleranz" nicht mehr als ein Durchgehenlassen lässlicher Verfehlungen oder ein Verzicht auf grausamste Hinrichtungsmethoden. Es gab wohl schon das lateinische Wort, aber vor Spinozas Traktat gab's religiöse Toleranz in der westlichen Welt weder dem Begriff noch der Sache nach.
Sprachforscher sehen im Verfasser des Traktats einen höchst geistreichen Stilisten. Auch in der deutschen Übersetzung wirkt Spinozas verhaltene Ironie so durchschlagend wie an manchen Stellen sein sprühender Witz.
Unter allen Bibelkritikern gilt mir Spinoza als höchste Autorität. Wer so unfassend und subtil die hebräische Bibel krisiert, muss sie nicht nur in allen Einzelheiten gelesen haben, sondern auch von Kindheit an mit den Überlieferungen und unterschiedlichen Auslegungen vertraut gewesen sein.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lesenswert 18. Januar 2006
Von Peter
Format:Taschenbuch
Gott offenbart sich Spinoza gerade dadurch, dass er keine Wunder wirkt. Im vorliegenden Buch, das sich "gegen die Vorurteile der Theologen" richtet, unterzieht der Verfasser theologische Wahrheiten einer rationalen Analyse. Neben Prophezeiungen, Wundern, und der Heiligen Schrift, wird auch das Verhältnis von Glaube und Philosophie diskutiert. Das Buch liest sich angenehm, ist spannend und amüsant. Ich empfehle es auf jeden Fall.
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