Das Herz der Kammermusik des Wiener Klassikers Wolfgang Amadeus Mozart liegt in seinen 26 Streichquartetten. Dabei hatte er eine immense Nachfolge anzutreten, schließlich hatte Joseph Haydn zu diesem Zeitpunkt schon einen Großteil seiner überragenden Streichquartette komponiert. Mozart allerdings ging ganz eigene Wege. Sein Stil ähnelt dem Haydns nur in wenigen Punkten.
Seine vier frühen Quartette KV 80 und KV 136 bis 138, von denen er letztere unter dem Namen "Divertimenti" veröffentlichte, zeigen noch den typischen Charakter gehobener Gesellschaftsmusik: leicht zugängliche Ecksätze und ein langsamer Satz, der auf größeren Tiefgang verzichtet. Dennoch offenbaren sie uns auch schon die charakteristischen Stilmerkmale des späteren, lyrischen Mozarts, zum Beispiel im idyllischen Andante von KV 136.
Auf einer seiner Italienreisen komponierte Mozart die sechs Quartette KV 155 bis 160, die sogenannten "Mailänder Quartette". Das Vorbild Haydns ist hier unverkennbar, obschon die sechs Quartette alle dreisätzig sind. Es besonders schönes Charakterstück ist KV 157 in C Dur, dessen Eingangssatz von weitschweifiger Melodik ist und dessen langsamer Satz diesmal nicht davon absieht nach Moll zu modulieren und berückende Themenkomplexe zu verarbeiten.
Auch seine unmittelbar danach entstandenen "Wiener Quartette" KV 168 bis 173 können sich durchaus sehen lassen. Nun sind alle Werke viersätzig und genügen auch höchsten künstlerischen Ansprüchen. Man höre sich alleine den mäßig schnellen Kopfsatz von KV 168 in F Dur an, der so voller komplexer Themenvielfalt steckt, dass er den Hörer sogleich fesselt und packt. Die Spannung entlädt sich erst im schnell verrauschten Finale, nachdem sie der Komponist im traurigen Andante und im flinken Menuett noch gesteigert hat.
Vielen dürften die sogenannten "Haydn Quartette" KV 387, 421, 428, 458, 464 und 465 als das Highlight dieser Sammlung erscheinen. Die dem Kapellmeister von Esterházy gewidmeten Werke übertreffen immerhin alles bisher Dagewesene und spornten Haydn zu einigen seiner größten Quartette an. Nachdem der sie nämlich gehört hatte, versicherte er Leopold Mozart, dass sein Sohn der größte ihm bekannte Komponist sei - ein Urteil, dem wohl auch heute noch viele Klassikfreunde zustimmen werden.
Und tatsächlich stecken die sechs Quartette so voller Einfall und Abwechslung, so voller Witz und Charme, dass uns bis heute das Herz aufgeht. Aufsehen erregte unter anderem das sogenannte "Dissonanzen Quartett" in C Dur KV 465. Dabei erscheint die dissonante, düstere Einleitung heutzutage regelrecht zahm. Vielen gilt das Es Dur Quartett KV 428 als das gelungenste und beste Mozarts überhaupt. Interessant an diesem Quartett ist insbesondere die Tatsache, dass das Hauptthema des Kopfsatzes unisono vorgetragen wird. Aber auch das spannende Finale und der traumtänzerische langsame Satz machen diese Kammermusik zu einem Höhepunkt dieser Sammlung.
Die letzten vier Quartette verdienen aber mindestens genauso große Aufmerksamkeit wie die "Haydn Quartette". Allein steht das herrliche "Hoffmeister Quartett" D Dur KV 499, in dem Mozart den langsamen Satz und das Menuett vertauscht. Überhaupt misst er seinen späteren Menuetten wesentlich mehr Gewicht bei. Ebenso wie Haydn so entwickelt der Wiener Tonsetzer diesen althergebrachten Tanz zu einem individuellen Charakterstück.
Von aparter Schönheit sind die sogenannten "Preußischen Quartette" KV 575, 589 und 590. Hier erreicht Mozart ein Maß an Dichte, Tiefsinn und kompositionstechnischer Meisterschaft, das erst Haydn mit seinen letzten Quartetten wieder erreichen sollte und erst von Beethoven übertroffen werden sollte. Der Komponist setzt hier vor allem darauf, auch die Cellostimme mehr einzubringen. Der kommt beispielsweise in KV 589 in B Dur eine gewichtige Rolle zu, vor allem im kantablen Kopfsatz und im paradiesischen Larghetto.
Als Draufgabe gibt's das originale Arrangement der "kleinen Nachtmusik" KV 525 für Streichquartett plus Kontrabass, fünf Arrangement von Fugen aus Bachs "Wohltemperiertem Clavier" KV 405 und das Adagio mit Fuge KV 546.
Es gibt zahlreiche Gesamteinspielungen der Mozarts Quartette. Die homogenste und fesselndste ist aber mit Sicherheit die des Hagen Quartetts. Das Zusammenspiel ist trefflich, farbenreich und differenziert. Den frühen, legeren Quartetten nehmen sich die Akteure mit derselben Gewissenhaftigkeit an wie den späteren, größer angelegten. Ihre Darbietung ist haargenau akzentuiert und perlend nuanciert. Sie wählen sehr angenehme Tempi und auch die Aufnahmequalität ist herausragend.
Fazit: Perlen der Kammermusik in grandioser Einspielung! Mehr geht nicht!