Mich wundert es nicht, dass der berühmt-berüchtigte amerikanische Musikkritiker David Hurwitz angesichts dieser Einspielung voll des Lobes ist. In der Tat ist es so, dass der zu unrecht fast vollkommen vergessene Dirigent Otmar Suitner und die Staatskapelle Berlin eine Aufnahme aller Symphonien Dvoráks vorgelegt haben, die mit weitaus populäreren Einspielungen völlig auf Augenhöhe ist, ja die mir in ihrer Gesamtheit nicht selten sogar deutlich gelungener erscheint als diese. Denn während es in Kubeliks, Neumanns, Kertesz' oder Pe¨eks Einspielungen doch deutlich erkennbare interpretatorische Höhen und Tiefen gibt, so zeichnet sich Suitners Aufnahme eben durch ihre durchgehend auf hohem Niveau gehaltene gestalterische Homogenität aus.
Besonders schön finde ich, dass Suitner die frühen Symphonien - und das ist ein echtes Verdienst - ebenso so ernst nimmt wie die Achte oder die Neunte. Konsequenterweise lässt er darum ihrer Darstellung das gleiche Maß an Sorgfalt angedeihen, sodass man beim Hören nicht einen Moment das Gefühl hat, man habe die die frühen Symphonien nur pflichtgemäß eingespielt, damit eine Gesamteinspielung verkauft werden kann.
Daneben beherrscht Suitner den Tonfall dieser Musik mit vollkommener stilistischer Sicherheit. Die romantisch-nationalmusikalische Färbung des Dvorákschen Idioms, die beschwingt-unbeschwerte Volkstümlichkeit, die oft tänzerisch bewegte Rhythmik: all das wird vorbildlich, natürlich, ja: mühelos musiziert. Die Gefahr, die in der plumpen Überbetonung dieser Elemente liegt (Dvorák quasi als Vorgänger Ernst Moschs), umschifft Suitner sicher.
Daneben klingt die Aufnahme ausgesprochen gut. Da ist jede Stimme präsent, die Strukturen sind gut durchhörbar und doch zerfällt die Musik nicht in ihre Einzelteile. Der warme Ton dieser Musik bleibt jederzeit präsent.
Mag es durchaus auch Einzeleinspielungen geben, die über die interpretatorische und stilsichere Solidität dieser Aufnahmen hinausragen, weil sie auf Risiko spielen und so bisweilen das Außergewöhnliche erreichen, so ist Suitners Gesamteinpielung als Ausgangspunkt und evtl. auch als Ziel der Erkundung des Dvorákschen Symphonienkosmos jederzeit uneingeschränkt zu empfehlen.