Es ist nicht Barenboims erster Beethoven Zyklus, der hier vorliegt. Wieder einmal aber kommt der gebürtige Südamerikaner nicht über das gehobene Mittelmaß hinaus.
In den ersten beiden Sinfonien spielt Barenboim durchaus lebendig und angenehm frisch. In keiner Weise trachtet er danach, diese frühen Werke ihres haydnschen Mantels zu entledigen oder sie zu romantisieren. Er spielt sie so, wie sie sind: Zeugnis eines sich entwickelnden Genies.
"Eroica" ist der Beiname der dritten Sinfonie. Da Barenboim aber das Allegro con brio des ersten Satzes verschleppt und versanden lässt, wird diesem Satz beinahe alles an Heroischem genommen. Der Totenmarsch freilich ist sehr gelungen, dem tut diese Langsamkeit gut. Es ist ja durchaus nicht verwerflich, über Gebühr langsam zu spielen, aber der innere Tonus des Werkes wird bei Barenboim dadurch gestört, weil er wichtige Passagen nicht stark genug akzentuiert. Ein Bernstein hat auch stets eher langsam gespielt, bei ihm wirkte das aber nie langweilig.
Die Einspielung der vierten Sinfonie ist gewiss ein Höhepunkt dieser Gesamtaufnahme. Unprätentiös hebt Barenboim das Frische, Lebhafte an dieser Sinfonie heraus und beweist, dass auch sie ein Meisterwerk ist. Besonders gelungen ist sein zart und pittoresk gespieltes Adagio des zweiten Satzes.
Abgesehen davon, dass Barenboim den ersten Satz der Fünften versiebt, da er viele Akzentuierungen durch zu lange Pausen auseinander reißt, ist diese Aufnahme wirklich gelungen. Ein kraftvolles Andante, ein mysteriöses Scherzo und ein strahlendes Finale. Die Staatskapelle Berlin spielt hier absolut referenzverdächtig.
Gar nicht gefallen hat mir die Interpretation der "Pastoralen", eines bekanntermaßen schwierigen weil recht unspektakulären Werkes. Ohne Emotion, ohne innere Beteiligung wird dieses Oeuvre herunter geleiert. Die Tempi sind viel zu getragen, die Farbgebung recht uni.
Besser ist hingegen die Siebte. Vor allem der erste Satz sprüht vor Leben und Vitalität trotz ziemlich langsamer Tempi, eben weil Barenboim hier richtig akzentuiert. Das Allegretto ist wunderbar, auch im Presto trifft er jede Nuance.
Die beste Einspielung ist die der Achten. Vielleicht ist dies sogar die Referenzeinspielung dieses vernachlässigten Stückes. Barenboim beweist, dass Beethoven mit diesem herrlichen Werk die Wiener Klassik endgültig - wenn auch etwas frotzelnd - vollendet.
Auch die Aufnahme der Neunten kann man durchaus als gelungen bezeichnen, auch wenn die gesangliche Leistung der Solisten alles andere als astrein ist. Immerhin spielt Barenboim alle Sätze packend und fesselnd. Im Adagio lässt er sich erwartungsgemäß sehr viel Zeit. Auch hier stimmen die Betonungen. Sicherlich nicht die beste Neunte, aber eine gelungene.
Als Zugabe gibt's die Ouvertüren zu "Fidelio" - einwandfrei - und die drei "Leonore" Ouvertüren - grundsolide, vielleicht etwas zu langsam und getragen.
Die Staastkapelle Berlin spielt ausgezeichnet, nur in der sechsten Sinfonie etwas gelangweilt. Fehler im Interpretationsansatz sind ausschließlich auf Daniel Barenboim abzuwälzen. Die Tonqualität ist 1a.
Fazit: Barenboim hat erneut die Chance verpasst - obwohl er sicherlich das Potential dazu hätte -, einen unvergesslichen Beethoven Zyklus zu dirigieren. Dennoch ist diese Aufnahme nicht schlecht und hat durchaus ihre Höhepunkte.