Diese Box enthält alle Lieder Robert Schumanns (und einige von Clara, zB die Rückert-Lieder, die sie zum gemeinsamen op.37 beigesteuert hat).
Sie werden in chronologischer Reihenfolge der Komposition dargestellt, aber hier wurden die bekannten Zyklen und Liederkreise nicht auseinandergerissen, so daß das Resultat weniger kunterbunt erscheint als die Hyperion Schubert-Box.
Die einzelnen CDs sind in Papphüllen und dazu kommt ein dickes Booklet mit sämtlichen Texten und einer dreisprachigen Einleitung von Graham Johnson, wo Schumanns Biographie anhand seines Liedschaffens dargestellt wird. Dort sind auch Notizen über die Lieder-opera, zwar weniger umfangreich als die Booklets der jeweiligen Einzel-Volumina.
Es gibt bei Schumann weniger zu entdecken als bei Schubert. Zum einen war er weniger produktiv (10 CDs hier und 37 dort), dazu konnte er beinahe seinen ganzen Output veröffentlichen, so daß die Quellenlage viel einfacher ist. Dadurch, daß so gut wie nichts verborgen lag, gibt es keine verborgenen Schätze (Schätze gibt es genug, aber sie sind immer zugänglich gewesen).
Die Interpretation ist insgesamt gut, sie hat mich aber weniger berauscht als in der Schubert Edition. Große Namen von dort fehlen einfach hier: Matthias Goerne, Marjana Lipovsek, Margaret Price, Peter Schreier, Edith Mathis ... Hier hat man wenigstens Juliane Banse, Christine Schäfer, Simon Keenlyside aber, abgesehen wohl von "Frauenliebe und -leben" mit Juliane Banse (herrliche Deklamation, erstaunliche Souveränität der Stimmführung) nichts, was die Großtaten von gestern vergessen ließe. Und bei Schumann ist "gut" nicht immer "gut genug", denn ein guter Schumann droht, ins Konventionell- Romantische abzudriften.
Der Hauptinteresse liegt wohl im Vorhandensein von Zyklen für mehrere Stimmen, die man selten geschlossen findet: Die Lieder und Gesänge aus Wilhelm Meister op.98a, das Minnespiel op.101, das Spanische Liederspiel op.74, die Spanischen Liebeslieder op.138 ...
Wer kein Vollständigkeitsfanatiker ist und ein paar Euro zulegen kann, kann sich für
Schumann-Masterworks entscheiden. Dort sind 9 CDs dem Liedschaffen gewidmet mit Christoph Eschenbach am Klavier und hauptsächlich Dietrich Fischer-Dieskau und Edith Mathis als Sängern (DFD paßt meines Erachtens viel besser zu Schumann als zu Schubert). Dort ist das Quentchen Genialität vorhanden, das Schumann vom Konventionellen befreit. Und eine Menge gutes Zeug dazu.
Aber da diese Box für Vollständigkeitsfanatiker gedacht ist, werden sie wenigstens kein Ärgernis damit haben. Und ein paar schöne Überraschungen.