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„ Für diese Musik könnte ich sterben“, sagt András Schiff über die Klaviersonaten von Beethoven. An die zehn Jahre hat er sich das Projekt erarbeitet. Rund die Hälfte der Werke war ihm vertraut, doch einige, darunter auch die berühmten beiden letzten Sonaten, mussten erst noch einstudiert werden. Erst dann, im Jahr 2003, konnte er damit beginnen, Beethovens komplettes Sonatenwerk in Konzerten zu spielen.
Auch heute noch hält Schiff die lange Vorbereitungszeit – bei der ersten Komplett-Aufführung stand er kurz vor seinem 50. Geburtstag – für sinnvoll. Es ging um Fragen des Anschlags, um Lebenserfahrung und Reife. „Wenn ein Kind eine Vorlesung über Kant oder Nietzsche hielte, nähmen wir das auch nicht besonders ernst – warum also tun wir es in der Musik?“ Zumal der Prozess immer weitergeht: Ein solches Projekt könne man nie ganz abschließen, bekennt der Pianist, immer wieder gerieten bislang verborgene Details ins Blickfeld. Schiff nähert sich den späten Werken nicht mit grimmig-heroischer Attitüde, sondern wie ein Aufklärer. Wie einer, dem es weniger um abgründiges Grollen geht, als um beredte, geradezu quecksilbrige Helligkeit. So gibt er sich Beethovens Andante-Zauber hin, türmt mächtige Fugengewichte auf. Und durchstreift die Variationen-Sätze mit der Reaktionsschnelligkeit eines überragenden Rollenspielers.
Christian Zetarov
Mit den drei letzten Sonaten vollendet András Schiff seinen Beethoven-Zyklus. Und „vollendet“ darf man hier ruhig im doppelten Wortsinn verstehen. Der gefeierte Interpret Bachs, Mozarts, Schuberts hat sich die Zeit genommen, seine Deutung des „Neuen Testaments“ der Klavierliteratur reifen zu lassen. Er hat die 32 Sonaten in chronologischer Folge erarbeitet und aufgeführt, was fast Einblicke in ihre Logik und Kontinuität gewährt. Er hat individuelle Instrumente gewählt…, er hat – mit Ausnahmen dieser letzten – die Sonatengruppen im Konzert eingespielt und so Spontaneität und großen Bogen bewahrt. … Besonders beglückend in dieser Folge: der schwebend lyrische Beginn und der Variationensatz von präschubertscher Innigkeit von op. 109, der klagende Adagio-Gesang aus der Tiefe des op. 110 und die einmal nicht zerdehnten Lebewohl-Variationen in der Arietta des op. 111, ein sanfter Aufstieg in höhere Welten, Sternengesang.
Franz Cavigelli, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag
From the limpid, weightless opening of Op 109 to the transcendent close of Op 111, he brings to the last three sonatas a long-range structural vision, a sharp ear for the quirky and the zany, and a profound spirituality.
Richard Wigmore, Daily Telegraph
Schiff allows Beethoven’s music to take him to the limits of his (quite extraordinary) control but never beyond. This is certainly not the only way to do it, but the results are never less than beautiful and sometimes uniquely effective. …
In any case, these are two fine releases, worthy of joining their predecessors in what for me is one of the most rewarding Beethoven sonata cycles in recent years.
Carl Rosman, International Record Review
Toni Hildebrandt, Klassik.com:
Schiff bringt eine Präzision in der Erarbeitung und Werktreu mit der Fantasie seiner künstlerischen Intuition zu einer Synthese, wie sie letztlich kaum anders von Beethoven intendiert sein könnte. Es sind unzählige Momente, die es verdienen, herausgehoben zu werden. Letztlich ist es jedoch vor allem der runde Gesamteindruck, der vor allem die meisterhaft gespielte Hammerklaviersonate zu einem Höhepunkt in Schiffs Beethoven–Zyklus macht. Wenn dort im dritten Satz, dem „Adagio sostenuto“, nach den ersten Takten in Moll, Schiff über die subtile Halbtonverwandtschaft in eine ganz neue Sphäre überleitet, gelingt auf geradezu magische Weise die semantische Evidenz eines „Fensters“, das sich in ein klares Licht hinein öffnet. Sein Ton strahlt, verkündet etwas völlig Neues und Einmaliges und doch ist die Statik der Struktur immer noch präsent. Beethovens Licht-Metaphorik hätte kaum besser interpretiert werden können.
Oswald Beaujean, BR 4 Klassik:
Schiff lässt einen nicht fertig werden mit dieser Musik, vielleicht liegt gerade darin eine der großen Stärken seiner Einspielung. Zu erleben ist eine faszinierende intellektuelle Durchdringung dieser Musik – mehr ist von einem Einzelnen kaum zu leisten – aber auch die großartige Umsetzung der gewonnenen Einsichten… Zu erleben ist das klingende Resultat einer langen, passionierten Beschäftigung mit diesen Sonaten, der messerscharfen Analyse, des intensiven Blicks auf und in intellektuelle Sprödigkeit. Die Analyse bleibt Folie im Hintergrund, vor der Schiff mit unglaublich nuancierter Anschlagskultur einen tief emotionalen Kosmos öffnet.
Malcolm Miller, International Piano:
Schiff’s research and concert experience have paid large bonuses in the last two CDs of the series, which caver the experimental sonatas opp.90, 101 and 106 and the last three sonatas, opp.109-111. Opp.90 and 101 combine crisp drama with a huge range of fluctuating intensities, explosive contrasts and sudden accentuations. Yet Schiff introduces a tantalising note of intimacy, innigkeit and subjectivity even in a polyphonic fabric, as in the central fugato of the second movement of op.101, which reflects on existence before retrieving its initial martial spikiness. In the finale, Schiff infuses a sense of wonder through a merging of the playful dance with dramatic depth. … It is Schiff’s artistic individuality that makes these recordings unique and comparable to the greatest Beethoven cycles, offering a vision for the future through his research into the past. Schiff takes us with him on his journey that, however many times repeated, brings us to the music refreshed and renewed.
Eleonore Büning, Frankfurter Allgemeine Zeitung:
Schiffs Lesart der Sonaten ist texttreu, auch fallen seine Tempi nicht spektakulär aus dem Rahmen. Was ist also das Besondere daran? Es ist erstens die feine Durchdringung der Struktur, mitgeteilt durch dynamische und rhythmische Details, es sind zweitens Schiffs Anschlagsnuancen, seine Abschattierung der Klangfarben, und drittens ist es die haptische Qualität, die aus beidem folgt. Wie diese Intensität zu erreichen ist, das hat mit Schiffs spezifischer Poetik zu tun, seinem Wissen darum, dass es um kompositorische Ideen geht in der Musik, nicht ums Virtuosentum.
Andrew Clements, The Guardian:
The final two instalments of András Schiff’s Beethoven cycle easily maintain the high standards of the preceding releases, completing what is perhaps the most distinguished and certainly the most thoughtful survey of the 32 sonatas since Richard Goode’s set in the early 1990s. By any standards, these are immaculately played accounts of hugely demanding works. Even in the hairiest passages of the Hammerklavier Sonata Op 106, Schiff’s poise never deserts him, while the textural clarity, especially of the inner lines, is always a delight.
Wolfram Goertz, Die Zeit:
Mit Schiff ist es wahrlich ein einziges Entdecken, dabei hilft ihm eine Anschlagkultur, die sogar unter Großpianisten eine Rarität ist. … Wie überhaupt Schiff wunderbar viele Nuancen aufbringt, um die vorgeblich unverstellte Aussicht ins Tal der Klischees zu irritieren. …Dass Beethoven tatsächlich gern Klüfte aufreißt, lässt Schiff gewiss anklingen. Die berüchtigte Wildheit erfasst auch ihn, aber sie gewinnt keine Macht über Kopf und Hände. Die Pathétique oder die Appassionata sind prächtige Beispiele, dass Schiff im Tumult noch überwältigend kontrolliert dosieren kann, weder dem Bluff nachgibt noch vom Brio enthemmt und fortgerissen wird.
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