Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviersonaten gehören zu den schönsten und wichtigsten der Musikgeschichte. Anders als sein Zeitgenosse Joseph Haydn war Mozart ein Virtuos am Flügel. Dementsprechend zielen Mozarts Sonaten auf andere ästhetische Gesichtspunkte ab als die haydnschen. Das soll nicht falsch verstanden werden, denn auch die Haydn Sonaten sind ganz vortreffliche Stücke.
In seinen sechs frühen Sonaten experimentiert der junge Mozart mit dem Formgehalt der Klaviersonate, deren typische dreiteilige Anlage - schnell, langsam, schnell/ Tanz - sich unter Haydn langsam manifestierte. Für die B Dur Sonate KV 281 setzt Mozart beispielsweise ein Rondo als Finale - eine Möglichkeit, die sich beim Kapellmeister von Esterházy nur sehr selten findet.
Die sechs Sonaten sind von angenehmem, lieblichem Tonfall. Sie sind einfallsreich und versetzen den Hörer mit einem nostalgischen Charme zurück in längst vergangene Zeiten. Die umfassendste dieser frühen Stücke ist die Dürnitz Sonate KV 284. Es ist ein ganz ausgezeichnetes Werk, an dessen zweite Stelle Mozart ein ausdrucksstarkes Rondo in Form einer Polonaise setzt. Als Finale sieht er einen üppigen Variationssatz vor, dessen zwölf Variationen ungeahnte Tiefen aufweisen.
Ab den mittleren Sonaten pendelt sich eine Spielzeit zwischen 20 und 30 Minuten ein und Mozart legt verstärkt Wert auf die hoch artifizielle Gestaltung der Kopfsätze. Auch den langsamen Sätzen gibt er mehr Gewicht, lässt sie oft stark empfunden werden.
So versieht er zum Beispiel die a moll Sonate KV 310 mit einem herben aber majestätischen Allegro. Das folgende Andante ist von großem Ausdruck und heilsam. Das Finale dahingegen ist ein Leichtgewicht.
Die berühmteste Sonate des Meisters ist KV 331 in A Dur. Interessanterweise stellt er gleich an den Anfang einen herrlichen, umfangreichen Variationssatz. Es ist besonders das knappe Finale alla turca", der diese meisterliche Sonate so berühmt machte.
Neben dem wundervollen KV 332 ist die B Dur Sonate KV 333 die gewichtigste des mittleren Zyklus. Das fein nuancierte, gewaltige Allegro des Kopfsatzes und das wunderbar verzierte Andante des zweiten überzeugen sogleich. Der Wiener Tonsetzer beginnt hier auch allmählich damit, dem Finale mehr Gewicht zu verleihen.
Die fünf letzten Sonaten des Tonsetzers sind von besonderer Delikatesse. Besonders erlesen ist die c moll Sonate KV 457, deren traurige Momente im Kopfsatz und deren fast meditatives Adagio berückend wirken.
Neben der herrlichen B Dur Sonate KV 570 sind die späten Klaviersonaten besonders schlicht und einfach in ihrer Anlage bei maximaler Ausdrucksstärke. Die knappe C Dur Sonate KV 545 beispielsweise verzichtet weitest gehend auf ausschweifende Momente, ohne dennoch die bezaubernde Melodik im langsamen Satz wegzulassen.
Als willkommene Zugabe gibt's die berauschende Fantasie in c moll KV 475. Das Werk scheint in sich zu verharren, auch in den schnelleren Passagen will nur herbe Enttäuschung, Trauer aufkommen, die keinen Fortschritt bringen. Wirklich ein hehres Stück!
Mit ihrer wegweisenden Interpretation sämtlicher Mozart Sonaten setzt die portugiesische Pianistin Maria João Pires Maßstäbe, bis heute. Ihr warmer, zarter Anschlag, ihre feine Lyrik und ihre schlichte Herangehensweise an diese Stücke verfälschen keines in ihrem Ausdruck. Sie spielt die Sonaten als das, was sie sind: schöne Musik mit ausgefeilter Melodik. Beeindruckend ist zudem, mit welcher Gelassenheit sie jede einzelne Sonate darbietet und wie homogen der Gesamteindruck beim Hörer ist. Die Aufnahmequalität ist sehr gut.
Fazit: Die Referenzeinspielung des wunderbaren mozartschen Sonatenkosmos! Diese Box sollte in keiner Musiksammlung fehlen.