Radu Lupu ist einer der wenigen Stars, die sich sehr rar machen, seit über einem Jahrzehnt keine Aufnahme mehr, eher scheu " Wenn sich der Saal des Großen Haus verdunkelt, betritt Radu Lupu unauffällig, ja fast schüchtern die Bühne im normalen Straßenanzug: dunkle Hose und graues Sakko. Klein und vollbärtig sieht er fast so aus wie eine modernere Variante von Johannes Brahms, den er an diesem Abend zu interpretieren gedenkt. Den Flügel umrundet er hinten, um sich dann auf einem Stuhl - kein Klavierhocker! - entspannt zurückzulehnen. In dieser Stellung beginnt er sein Spiel und gibt sie während des gesamten Vortrages so gut wie nicht auf. Er wirkt eher wie ein lockerer Barpianist im Kreise der Freunde und - Ironie - er präsentiert sich optisch fast genau so wie Johannes Brahms auf einem Bild im Programmheft."
Wie Kleiber und Sokolov hat er nur ein kleines Repertoire eingespielt, darunter aber die fünf Klavierkonzerte. Nicht auf einen Streich, sondern nach und nach, als die Aufnahme mit dem vierten Konzert sehr erfolgreich war.
Das Spiel von Lupu gefällt mir prinzipiell sehr gut. Ich hatte ihn mit den Schubert-Sonaten rezensiert. Wie also gefällt mir sein Beethoven ?
Das Gesamturteil: entbehrlich, vorweg. Ebenso wie bei den Sinfonien, sind die Konzerte und auch die Sonaten in einer Überfülle von Interpretationen vorhanden. Um in dieser Masse aufzufallen, bedarf es eines besonderen Interpretationsansatzes. Den hat Lupu bei Beethoven nicht.
Ich versuchte meinem geringeren Interesse auf die Spur zu kommen und mir fällt auf, er spielt zu " klein". Man höre ihm Vergleich Arturo Bendetti Michelangeli und Lupu mit dem zweiten Satz des fünften Konzerts. Diese wunderbare Melodie spielt Lupu zu " normal", ihm fehlt die Erhabenheit, die Benedetti Michelangeli diesem Werk gibt und das diesen Satz adelt.
Die Begleitung von Metha ist immer sehr konventionell. Das führt bei mir dazu, dass ich mich langweile-mache ich ungern bei Beethoven.
Als zweites Beispiel sei der dritte Satz der Mondscheinsonate op. 27 Nr. 2 genannt. Manuell einwandfrei, aber ohne spezielle Anreiz. Weder ein Furor bei den aufwärtsdrängenden Kaskaden, noch ein deutliches Forte.
Gleiches könnte ich,noch ausgeprägter, für die Einleitung der Sonate op. 13 berichten.
Wie es im Zitat beschrieben, da sitzt einer locker am Klavier. So möchte ich Beethoven nicht hören.
Auf den Beethoven von Lupu, soweit ich ihn kenne, möchte ich verzichten.