"Die Sehnsucht ist meine Lust. Was ich liebe, muss fern sein wie das Himmelreich." Dies Bekenntnis aus der Feder des Freiherrn Josef von Eichendorff verweist auf unser aller große Sehnsucht, die wir mit ihm und mit einander teilen. Wir alle sehnen uns nach dem großen erfüllenden Glück, ob wir uns dies nun biblisch als 'Himmelreich' oder weltlich als 'Himmel auf Erden' denken. Wir lieben oder wir nennen unser Sehnen "Liebe" und suchen sie, die große Liebe, die uns das größte Glück gewähren möge, und doch scheint's so oft, wir seien ihr so weit entfernt, wie unser beträumter und ungefundener Himmel uns.
Dies uns Gemeinsame lesen wir in Eichendorffs poetischen, geradezu archetypisch anmutenden Bildern von Wald, Wanderschaft und Fremde, von Meer, Liebe und Tod, und er bot und bietet uns für unsere sehnsuchtsvolle Reise durch die unerfüllte Welt der Gleichnisse eine Stimme, die wir immer wieder gern hören, weil sie unsere eigene ist. Jeder Mensch ist der Poet seiner Welt, aber Eichendorff legt ihm die Worte dafür in den Mund:
"Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort."
Dieser besondere Gedichtband vereinigt sämtliche lyrische Schriften Eichendorffs, auch die gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm geschriebenen Gedichte, die aus dem Spanischen übertragenen von 1839 sowie die drei großen Versepen "Julian", "Robert und Guiscard" und "Lucius". Ein schönes Buch!