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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nur eine Rose als Stütze, 15. Juni 2009
Sicher nicht zuletzt aus Anlass des bevorstehenden 100. Geburtstags der Dichterin Hilde Domin am 27. Juli 2009 ist endlich eine schöne, eine handliche Ausgabe sämtlicher Gedichte erschienen. Gegenüber der Ausgabe "Gesammelte Gedichte" liegt so das gesamte lyrische Werk dieser außergewöhnlichen Autorin vor.
Sie gehört in die Reihe bedeutender deutscher Dichter jüdischer Herkunft wie Nelly Sachs, Paul Celan und Rose Ausländer. Sie war eine "Spätberufene". die sozusagen erst in der zweiten Lebenshälfte zu dichten anfing. "Nur eine Rose als Stütze" war ihr erster Gedichtband, der sofort große Aufmerksamkeit fand. Sie dichtete in einer sehr unpathetischen Sprache, mit der sie auf unnachahmliche Weise ihr Leben im Exil thematisierte, die sich ihrer Bleibe nie sicher war, die nur auf eine "Wolkenbürgschaft" setzen konnte, die immer "Mit leichtem Gepäck" reiste. Aber "Ich setzte den Fuß in die Luft, / und sie trug". Hilde Domin war eine Dichterin des Dennoch. Sie hat wunderbare erotische Gedichte, herrliche Liebensgedichte geschrieben, aber auch Gedichte über Tränen, Leid un Verlust.
Und so führen uns die Gedichte, die heute noch so frisch und lebendig sind wie eh und je, an den Lebensstationen entlang, "schreiben" eine lyrische Biografie. Damit hat sie uns, ihren Lesern, ein Werk von außergewöhnlicher Bedeutung hinterlassen. "Wie wenig ich nütze bin" heißt ein Gedicht. Sie gibt darin die Antwort selbst: "Ich gehe vorüber - / aber ich lasse vielleicht / den kleinen Ton meiner Stimme, / mein Lachen und meine Tränen / und auch den Gruß der Bäume am Abend / auf einem Stückchen Papier". Hilde Domin hat uns, wie dieser Gedichtband beweist, unendlich viel mehr hinterlassen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Aber wieder steigt aus unseren leeren hilflosen Händen die Taube auf, 15. Dezember 2009
Diese Gesamtausgabe der Gedichte von Hilde Domin hat die gewohnt gute Qualität der lyrischen Gesamtausgaben im S.Fischer Verlag, auch äußerlich mit Lesebändchen und in Leinen und in praktischer Manteltaschengröße. Natürlich stehen die eindringlichen, absolut lesenswerten Gedichte von Hilde Domin im Mittelpunkt. Aber die Herausgeberinnen, Nikola Herweg und Melanie Reinhold, sind ebenfalls zu loben, genau wie Ruth Klüger für ihr Nachwort.
Die Herausgeberinnen gehen chronologisch vor: zunächst stehen die Gedichtsammlungen nach Veröffentlichungsjahr. Dazu kommen Einzelveröffentlichungen. Ausgewählte Gedichte aus dem Nachlass runden die Sammlung ab. Wobei nicht alle Gelegenheitsarbeiten aufgenommen sind, sondern strenge Maßstäbe angelegt wurden. Schließlich hatte es seinen Grund, wenn Hilde Domin etwas nicht veröffentlicht hat.
Die gewissenhaften editorischen Notizen zu den Sammlungen und zu einzelnen Gedichten helfen beim Einordnen, eröffnen Verstehenshorizonte. Nützlich ist die Beigabe der alphabetischen Verzeichnisse der Gedichtanfänge und der Gedichttitel, so dass einmal Gelesenes oder Erinnertes gut aufgefunden werden kann. Sehr schön finde ich auch die Faksimiles von handschriftlichen Niederschriften je zu Anfang eines Abschnitts. Hilde Domins Schrift ist auch verkleinert ganz gut lesbar, so dass die kreativen Entstehungsprozesse exemplarisch nachvollzogen werden können. Sozusagen der Blick in die Werkstatt.
Anregend schließlich das schöne Nachwort von Ruth Klüger, der Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin. Empathisch führt sie ins tiefere Verstehen der Gedichte Hilde Domins ein, wohl mit auf dem Hintergrund ihres eigenen Schicksals (geboren in Wien, als Kind eines jüdischen Vaters verfolgt, KZ, Emigration in die USA, wo sie meines Wissens heute noch zumindest teilweise lebt).
Ruth Klüger schlägt den Bogen von den Exilsgedichten der früh (1932) Ausgewanderten wie:
Für uns, denen der Pfosten der Tür verbrannt ist,
an dem die Jahre der Kindheit
Zentimeter für Zentimeter
eingetragen waren.
Die wir keinen Baum
in unseren Garten pflanzten,
um den Stuhl
in seinen wachsenden Schatten zu stellen.
bis zur Hoffnung, zum letzten Vertrauen, das im Gedicht eher überzeuge als in der Prosa, wie Ruth Klüger meint,
"vielleicht weil das Gedicht einen träumerischen, keinen politischen oder realistischen Zustand beglaubigt, so sehr der erstere auch vom letzteren abhängen mag" - zum Beispiel:
Unsere Kissen sind naß
von den Tränen
verstörter Träume.
Aber wieder steigt
aus unseren leeren
hilflosen Händen
die Taube auf.
Gemeint ist hier natürlich die Taube Noahs aus der Geschichte der Arche im ersten Buch Mose als Metapher der Heimkehr nach der Katastrophe, nach der Heimatlosigkeit.
Welch Ausdruck steckt in so wenigen Worten!
Alles in allem ein würdiges Geschenk an die Autorin zu ihrem 100. Geburtstag!
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gedichte, die mich regelrecht am Leben erhalten haben, 10. Juli 2009
Mit dieser schönen handlichen Leinenausgabe ediert S. Fischer versehen mit einem lesenswerten Nachwort von Ruth Klüger die Gedichte von Hilde Domin.
Hilde Domin kann man ohne Übertreibung als eine der besten Lyrikerinnen des 20.Jahrhunderts bezeichnen. Die Gedichte sind in der Reihenfolge ihrer Veröffentlichungen der Einzelausgaben ihrer Gedichtbände abgedruckt, beginnend mit "Nur eine Rose als Stütze" (1959) bis zu "Der Baum blüht trotzdem" (1999).Einzelveröffentlichungen und einige Gedichte aus dem Nachlass sind hier in diesem Buch zum ersten Mal zu lesen.
Seit ich ihnen in den siebziger Jahren zum ersten Mal begegnet bin, als Theologen vor allem der unvergessene Henning Luther ihre Gedichte zitierten, haben mich die Gedichte Hilde Domins immer wieder in bestimmten, insbesondere in schweren Lebensabschnitten begleitet.
Drei Gedichte, die mich vor etwa 10 Jahren regelrecht am Leben erhalten haben, möchte ich hier zitieren:
"Es knospt
Es knopst
unter den Blättern
das nennen sie Herbst.
Nicht müde werden
Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Ecce homo
Weniger als die Hoffnung auf ihn
das ist der Mensch
einarmig
immer
Nur der Gekreuzigte
beide Arme
weit offen
der Hier-bin-Ich."
Bewegende und betroffen machende Gedichte sind das einer Frau, für die über lange Zeit das Exil der gewohnte Lebensort war und die das auch immer wieder reflektiert.
Wer mehr über diese Zeit im Exil wissen möchte, dem sei das zeitgleich erschienene Buch "Die Liebe im Exil. Briefe an Erwin Walter Palm aus den Jahren 1931-1959", erschienen bei S. Fischer empfohlen.
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