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Sämtliche Erzählungen und andere Prosa
 
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Sämtliche Erzählungen und andere Prosa [Taschenbuch]

Heinrich von Kleist , Walter Müller-Seidel
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 380 Seiten
  • Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag (1986)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3150082323
  • ISBN-13: 978-3150082324
  • Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 9,9 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 127.985 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Heinrich von Kleist
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die hier versammelten sämtlichen Erzählungen Kleists zeichnen nie ein vereinfachendes, sondern immer ein komplexes, widersprüchliches Bild der Menschen, ihrer Sorgen und Tragödien. Das diese Wahrhaftigkeit dennoch so fesselt, ist Kleists Könnerschaft zu verdanken. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Klappentext

"Wie viele Erzählungen besitzen wir Deutsche, deren Verfasser beliebt und belohnt wurden; aber wo sind diejenigen, die man höher als die Kleistschen stellen dürfte, welch kein Mensch kennt und würdigt?"

Tiecks 1821 ausgesprochene Klage ist längst gegenstandslos geworden, seine Hochschätzung der Kleistschen Erzählungen hat indes nicht von ihrer Berechtigung eingebüßt.


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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
geradezu modern 10. Februar 2008
Von helmut seeger TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Kleists Erzählungen sind - insbesondere wegen ihrer "pathologischen Themenwahl" (Thomas Mann) oder ihrer
erstaunlichen psychologischen Facetten heute noch geradezu modern zu nennen.
Erzählungen wie die von Michael Kohlhaas, bei der es um einen Pferdehändler geht, der auf einem Junkersschloss übervorteilt wird und der in der Folge alles daran setzt, diesen Verlust auszumerzen, sind sowohl thematisch als auch von ihrer Zeichnung der zugrunde liegenden Gesellschaft wie der beteiligten Figuren faszinierend gelungen. In dieser Geschichte geht es letztlich darum, einem Rechtsprinzip durch Beugung des Rechts zum Sieg zu verhelfen. Kohlhaas wird zum Senger und Mordbrenner, um das Recht an seinen zwei auf dem Junkersschloss beschädigten Pferden wiederherzustellen, was ihm - um den Preis des eigenen Lebens - am Ende auch gelingt.
Kleist flicht in diese Geschichte aber eine Reihe von Nebenhandlungen ein, die sie erstaunlich komplex machen.
Auch die anderen Geschichten sind in ihrer Themenwahl weit gefasst und spielen über Europa hinaus.
Während die "Marquise von O." auf klassischen Stoffen basiert, hat Kleist ihr doch seinen eigenen Stempel aufgedrückt, so dass die Geschichte der Frau, die den unbekannten Erzeuger Ihres Sohnes per Zeitungsannonce suchen lässt, damals einiges moralisches Aufsehen erregte. Die Nüchternheit, mit der Kleist zwischen moralischer Empörung der Umwelt und religiösen Anspielungen durch die Geschichte navigiert, ist unerreicht.
Dass Kleist sich über die Moral seiner Zeit erhebt (und das meine ich nicht im negativen Sinne) beweisen auch die übrigen Erzählungen. Während etwa in das "Erdbeben von Chili" die katholische Kirche in Gestalt eines rachsüchtigen Predigers das Leben von Unschuldigen fordert und bekommt, hilft in der "heiligen Cäcilie" nur ein Wunder einem katholischen Gotteshaus vor der rohen Gewalt von Bilderstürmern.
Kleists Erzählungen frömmeln weder noch kommen Sie plump antiklerikal daher - dies lässt ihnen etwas Souveränes, was bei seinen Zeitgenossen nicht zu finden ist und gibt diesen Geschichten eine seltene erzählerische Kraft.
Diese Kraft wird auch durch stilistische Probleme kaum beeinträchtigt: Kleists Stil ist gewöhnungsbedürftig, schachtelsatzbehaftet, oft schwer zu lesen und voller Haken und Ösen.
Dennoch lohnt das erzählerische Werk dieses jung Gestorbenen unbedingt. Wer sich darauf einlässt, wird sich hinterher auch fragen, warum es in Deutschland vergleichsweise unbekannt ist.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Timo Brandt TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Ebenso wie bei Gogol (siehe Rezension zu Gesammelte Werke) und Poe (siehe Rezension zu Meistererzählungen), scheue ich mich bei Kleist von einem großen Schriftsteller oder Künstler zu reden. Sicher ist, dass Kleist eine ungewöhnliche Anschaulichkeit und eine Art fesselnder Dramaturgie (auch in seiner Prosa; manchmal sogar mehr in der Prosa als im Drama) zu formen und zu komponieren vermochte, die auch heute (und wohl auf ewig) eine nahezu unerschütterliche und ungebrochene Aktualität in Sachen 'Sprachlichkeit' behalten hat. Trotzdem scheint alles bei Kleist, als sei es nach traditionellen Maßstäben gefertigt - und doch, wieder, scheint jeder Satz aus diesem Gewande ausbrechen und mit aller Kraft und Leidenschaft den Trab in einen Galopp oder irgend sonst was reißen zu wollen.

Kleist bedient sich oft des Wortes "dergestalt". In einem geradezu totalen Versuch der Erzählung niemals hinterher zu sein oder etwas unerklärt und uneindeutig zu lassen, treibt Kleist seine Texte mit subtilen Langsatzfolgerungen voran.
Der Inhalt der einzelnen Novellen ist viel von Missverständnissen geprägt, von Undurchsichtigkeit und fatalen Ereignissen, die aus solcherlei Irrungen entstehen. Fast immer fällt im kleistischen Drama der (vermeintlich) idealistische Mensch dem konträren und willkürlichen Universum zum Opfer, das Menschen von einander trennt, in dem es sie anders denken und anders handeln lässt. Einen Großteil der Spannung gewinnt jede der Erzählungen aus dem Spiel mit Unvermeidlichkeit und Hoffnung, die in ihrem Hin und Her schon fast kafkaeske Züge annehmen, nur dass sie agiler und ausschweifender sind. Die so viel beschworene Gewalt ist mir persönlich dabei nicht aufgefallen; eher eine krasse Vehemenz das Ende, das Finale zu erreichen.

Bei aller Einzigartigkeit, die zumindest vier der Erzählungen ("Michael Kohlhaas", "Die Verlobung in St. Domingo", Das Erdbeben von Chili", "Der Zweikampf" - vielleicht auch "Die Marquise von O.) besitzen, spürt man, dass Kleist kein wirklicher Erzähler ist. Zwar hat er diese Erzählungen ganz und gar aufs Papier gebracht, sie bemerkenswert vollendet hinterlassen, aber ich behaupte, dass man gerade in diesen ausgefeilten, rasant-bedachten Zeilen spürt, dass sie alles sind; dass da sonst nichts mehr gewesen wäre; und dass gerade deshalb die anderen drei-vier Erzählungen mehr oder minder schief oder haltlos wirken.

Für mich wird Kleist immer Dramatiker bleiben. Er mag hier mit vier/fünf Erzählungen glänzen und diese sollte man, wenn man irgendwas auf seine Literaturkenntnisse und sein Lesevergnügen hält, auf jeden Fall sich einverleiben. Aber ich denke, es kommt auch immer darauf an, wie man einen Künstler sieht und Kleist sollte man, wie man es ja auch bei Schiller tut, lieber als Dramatiker, denn als Prosaisten sehen. Manche mögen behaupten, dass es nicht auf solcherlei ankommt. So mögen sie diese meine Feststellung übergehen.

Inhalt (bezieht sich auf die Reclam-Ausgabe):
-Erzählungen-
Michael Kohlhaas
Die Marquise von O'
Das Erdbeben in Chili
Die Verlobung in St. Domingo
Das Bettelweib von Locarno
Der Findling
Der Zweikampf
Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik

-Sämtliche Anekdoten-

-Fabeln-
Die Hunde und der Vogel
Die Fabel ohne Moral

-Essay-
Über das Marionettentheater
Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Von conny
Format:Taschenbuch
Ich bin über Michael Kohlhase zu Kleist gekommen und seitdem ein Fan. Die Themen, die er bearbeitet sind zeitlos, die Geschichten kurzweilig.
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