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Sämtliche Erzählungen [Taschenbuch]

Walter Schafarschik , Conrad F Meyer
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Kurzbeschreibung

März 1998
C. F. Meyer (1825-98) der selbst extreme Tiefen und Höhen durchlebte, gestaltete in seinen Werken psychische, religiöse oder moralische Konflikte, die er vielfach in Renaissancestoffe voll Schönheit, Vitalität und plastischer Kraft kleidete. Der mit Anmerkungen, Zeittafel und Nachwort versehene Band enthält sämtliche Novellen Meyers: Das Amulett, Der Schuß von der Kanzel, Der Heilige, Plautus im Nonnenkloster, Gustav Adolfs Page, Das Leiden eines Knaben, Die Hochzeit des Mönchs, Die Richterin, Die Versuchung des Pescara und Angela Borgia.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 850 Seiten
  • Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag (März 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3150069475
  • ISBN-13: 978-3150069479
  • Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 9,8 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 453.834 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Conrad Ferdinand Meyer, 11. 10. 1825 Zürich - 28. 11. 1898 Kilchberg bei Zürich. M. stammte aus einer reformierten Patrizierfamilie. Nach dem Tod des Vaters (1840) führte der tiefgreifende Konflikt mit der puritanischen Mutter, die für M.s geistige und künstlerische Interessen kein Verständnis hatte, zu einer langwierigen Lebenskrise (Unterbrechung des Gymnasiumsbesuchs wegen Depressionen, Abbruch des ihm aufgedrängten Jurastudiums, Aufenthalt in der Nervenheilanstalt Préfargier bei Neuenburg). Die Zeit in der Heilanstalt festigte M.s Selbstvertrauen; 1854 kehrte er nach Zürich zurück. Der Lausanner Historiker Louis Vulliemin, bei dem M. bereits 1843/44 in Lausanne historische und literarische Studien betrieben hatte, regte ihn zum Geschichtsstudium und zu Übersetzungsarbeiten an. Nach dem Selbstmord der Mutter (1856) sorgte eine Erbschaft für finanzielle Unabhängigkeit. Gemeinsam mit seiner Schwester Betsy (1831-1912), mit der ihn zeitlebens ein enges Verhältnis verband, reiste er 1857-58 nach München, Paris und Italien (Rom, Florenz, Siena) und begeisterte sich für die Kunst und Kultur der Antike und der Renaissance. Mit ersten literarischen Erfolgen und der Heirat mit der aus der Züricher Oberschicht stammenden Offizierstochter Luise Ziegler (1875) festigte sich die gesellschaftliche Stellung M.s, der sich schließlich 1877 in Kilchberg niederließ. 1880 ehrte ihn die Züricher Universität mit dem Dr. h. c. Nach zunehmenden Depressionen führten Anzeichen geistiger Umnachtung zu einem Aufenthalt in der Anstalt Königsfelden (1892-93); bis zu seinem Tod lebte er dann in Kilchberg.

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5.0 von 5 Sternen Perlen 25. September 2010
Format:Taschenbuch
Auch wenn der Dichter heute nicht (mehr) zu den meistgelesenen gehört - es gibt nichts Packenderes und Besseres in deutscher Sprache. Eine Quelle immer neuer Anregungen. Und - man wird der Werke nicht müde. Meyer hat so lange an seinen elf Prosa- und drei Verskompositionen gearbeitet, daß kein überflüssiger Buchstabe dringeblieben und keine Chance zu interessanten, oft erst nach dem zehnten Lektüredurchgang klarwerdenden Querverbindungen verschenkt worden wäre. Zu allen zentralen Fragen jedes vom Durchschnitt etwas abweichenden, nachdenklichen Menschen enthält das Werk Essentielles: wie unsere Gemeinschaft funktioniert, wie die Machtapparate Staat und Kirche, wie das mit der Erotik tatsächlich läuft, Beschäftigung mit dem Tod, das Leben als Reise auf unsicherem Boden, aber als Quelle auch des prallsten ästhetischen Genusses. Der Mensch Meyer dachte bescheiden von sich, wenn er auch wußte, daß er innerhalb der Literatur eine intellektuelle Stellung erreichte wie sein Thomas Becket in der Novelle Der Heilige im Politischen.

Formal ging Meyer eigenste Wege. Seine Sammlung Gedichte ist wie ein Baum, bei dem jedes Blatt, jeder Ast miteinander kommunizieren, und regt, wenn man es erst einmal bemerkt hat, zu ausgreifenden philosophischen und psychologischen Überlegungen an. Seine Novellen behandeln bewegende Themen in artifizieller Vollendung und streifen nicht selten kühne Konstellationen von teilweise experimentalpsychologischem Charakter. Die oft unterschätzte letzte Novelle, Angela Borgia, streift diesbezüglich Genets Roman Querelle de Brest. Die Hochzeit des Mönchs, vielleicht die formal exquisiteste Leistung deutscher Prosa überhaupt, wimmelt von Abwandlungen einer bestimmten Schicksalsthematik, die Becket-Novelle Der Heilige und die dreiteilige Großnovelle Jürg Jenatsch führen komplexe Machtkonstellationen vor.

Entgegen landläufiger Annahme stellt der historische Gesichtspunkt bei Meyer keinen Hauptaspekt dar. Eher eine Tarnung. Bei aller Sorgfalt auch im Umgang mit historischem Detail. Man kann diese Einschätzung nachweisen, wenn man die - mit Recht von Meyer später nicht mehr als gültig angesehenen - Frühfassungen etwa der Gedichte mit deren endgültiger Gestalt vergleicht: in dieser ist in der Regel alles, was in den älteren Fassungen Historie nacherzählte, eliminiert. Der Akzent sitzt auf einzelnen Gesichtspunkten, die wie eine Perle an der Schnur einer Diskussion über anthropologische, politische, erotische Themen ausgetragen werden.

Die fehlerfreiste Ausgabe ist sicher die historisch-kritische des Benteli Verlages in Bern, von der es auch eine um den Anhang reduzierte Ausgabe in sieben Bänden gibt. (Sie enthält auch alle Rezensionen, Vorgängersammlungen der Gedichte und Nebentexte des Dichters.) Doch vermitteln auch einige handelsübliche Ausgaben, üblicherweise in zwei Bänden, ein weitgehend zuverlässiges Bild von den Werken letzter Hand.
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