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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Anreger der Moderne,
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Werke, 3 Bde., Ln, Bd.1, Childe Harolds Pilgerfahrt und andere Verserzählungen (Gebundene Ausgabe)
Man kann das Werk von Byron nicht von seinem Leben trennen. Viele seiner Dichtungen tragen autobiographische Züge. Seine Reisen nach Portugal, Spanien, Griechenland, Albanien und Kleinasien verarbeitete er in seinen Verserzählungen, so auch in seinem Reisebericht "Childe Harolds Pilgerfahrt". Dieser Bericht, indem erstmals eine radikale Subjektivität verbunden mit Melancholie zum Ausdruck kommt, war ein Riesenerfolg und machte Byron zum Star. Das Werk ist gänzlich von dem Bewusstsein der Vergänglichkeit des Menschen, der Völker und Kulturen durchdrungen. Das so eine hohe, reiche Kultur wie die der Griechen untergehen konnte und das das Land auf dem Homer, Alexander und Sokrates lebten nun ein unfreies, abhängiges, in Ketten liegendes Land war, bedrückte Byron, der sich deshalb auch 1823 dazu entschloss den Befreiungskampf der Greichen gegen die türkische Fremdherrschaft zu unterstützen, verstarb aber 1824. Gerne gelesen habe ich auch die türkisch-griechischen Verserzählungen "Der Giaur", "Die Braut von Abydos" und "Der Korsar". In diesen Erzählungen treten Außenseiter-Helden mit geheimnisvoll, leiderfüllter Vergangenheit auf, deren Leben und Liebe zu einem tragischen Ende kommen. Die Verserzählung "Mazeppa", in meinen Augen die beste der Verserzählungen, ist ein Monolog von Mazeppa, der von einem betrogenen Ehemann nackt auf einem wilden Pferd gebunden und in diesem Zustand fortgejagt wird. Das Pferd reitet Tage und Nächte in seine ukrainische Heimat zurück. Der romantische, umdüsterte Monolog hat mir den Atem geraubt, man leidet mit Mazeppa und ist froh über das glückliche Ende. Auch die von Byron gefürchtete Ironie findet man in "Beppo", in der ein venezianischer Maskenball den Hintergrund spielt und vor allem in "Die Vision des Gerichts", ein böses, satirisches Verspamphlet, dass schon in den ersten Sätzen keinen Respekt vor Religion und Kirche zeigt: "Sankt Peter saß an seiner Himmelspforte, Verrostet war sein Schlüssel samt dem Schloß, So wenig war zu tun an diesem Orte..". Byron ist für mich neben Heine und Sade der erste Anreger für die Moderne gewesen. Heine bezeichnete Byron als seinen "Vetter". Für mich ist er eine große literarische Bereicherung.
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