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Seit einigen Jahren hat sich die Datenlage für die Forschung erheblich verbessert, und so haben zahlreiche Spezialstudien diesen Krieg von allen Seiten immer heller beleuchten können. Der Londoner Militärhistoriker Richard Overy hat die Fülle der Forschungsergebnisse nun zu einer Gesamtansicht auf der Höhe der Zeit verdichtet. Dabei bezieht er in seine -- glänzend geschriebene und von Hainer Kober sehr einfühlsam übersetzte -- Darstellung auch die Vorgeschichte der sowjetischen Verteidigungspolitik mit ein.
Als Hitler seine Militärmaschinerie in Bewegung setzte, um die Sowjetunion zu unterwerfen, tat er das im (nicht unberechtigten) Glauben an die eigene militärische Überlegenheit. Tatsächlich schien es schon bald, als könne Hitler-Deutschland Stalins Sowjetunion handstreichartig besiegen. Dass sich das Blatt am Ende doch noch wendete, hat seine Ursache nicht zuletzt darin, dass Stalin, der wie sein deutscher Gegenspieler mit einem pathologischen Hang zur Selbstüberschätzung ausgestattet war, gerade noch rechtzeitig einsah, dass er die konkreten militärischen Entscheidungen diejenigen treffen lassen sollte, die vom Kriegshandwerk unzweifelhaft mehr verstanden als er. Wie jede andere Einsicht, so blieb auch diese dem deutschen Diktator versagt. Und so wurden ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht nur auf der sowjetischen Seite die richtigen, sondern zugleich und in zunehmendem Maße auf der deutschen Seite die falschen militärischen Entscheidungen getroffen. Eine weitere entscheidende Voraussetzung des sowjetischen Sieges darf natürlich nicht vergessen werden: die schier unbeschreibliche Leidensfähigkeit des russischen Volkes.
Nach dem Krieg freilich war es Stalin, der sich als den eigentlichen, wahren Sieger des "Großen Vaterländischen Krieges" feierte und feiern ließ. Und so mussten die wahren Helden mit ansehen, wie das Sowjetreich nach dem errungenen Sieg zwar nicht von Hitler, nun aber umso entschlossener von Stalin unterjocht wurde. "Die Opfer eines gepeinigten Volkes", beschließt Overy sein Buch, "brachten den Sieg, aber nicht die Befreiung, einen Augenblick bittersüßen Triumphes in einer langen Geschichte des Leids." --Andreas Vierecke
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
39 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meisterwerk zum deutsch-russischen Krieg,
Von
Rezension bezieht sich auf: Russlands Krieg. 1941-1945 (Gebundene Ausgabe)
Der britische Geschichtsprofessor Richard Overy bietet hier eine Gesamtdarstellung des deutsch-russischen Krieges 1941 - 1945, die durch die Verbindung von exakter Faktenrecherche, analytischer Schärfe und konzentriertem erzählerischem Können besticht. Er spannt den Bogen seiner im übrigen auch im besten Sinne als spannend zu bezeichnenden Kriegsdarstellung vom zaristischen Erbe der Sowjetunion, über den sog. Hitler-Stalin-Pakt, die Vorgeschichte des deutschen Überfalls am 22.Juni 1941, die kriegswichtigen Schlachten um Moskau, Stalingrad, Kursk bis zu den Auswirkungen des Krieges. Der Leser erfährt exakte Zahlenangaben zum deutsch-russischen Kräfteverhältnis, zu den Hilfslieferungen der Alliierten für die Sowjetunion und vielem nehr. Dabei räumt Overy mit einigen Geschichtslegenden auf. Er weist nach, dass es der Sowjetunion erst im Laufe des Jahres 1942 gelang, Ihre Rüstungsproduktion so zu steigern (S.243ff.), dass ein Sieg gegen Hitler-Deutschland schließlich nach Kursk 1943 möglich wurde. Er zeigt, dass der Pakt mit Hitler für Stalin, der ein militärisches Bündnis mit den Westmächten vorgezogen hätte, der letzte Ausweg zur Überwindung der isolierten und angreifbaren Stellung der UdSSR nach München 1938 war. Von der auf Hitlers Propaganda zurückgehenden Präventivkriegslegende, nach deren Logik die Wehrmacht nur angegriffen habe, um der Roten Armee zuvorzukommen, bleibt nach den dargestellten Fakten nichts mehr übrig. Er würdigt die großen Mengen alliierter Hilfslieferungen nach Russland (S.303), vor allem an Kraftfahrzeugen (363000 Lkw) und Lebensmitteln (782973 Tonnen Fleischkonserven), ohne die Russland den Krieg nicht hätte weiterführen können und analysiert doch akribisch die Lernprozesse bei der sowjetischen Militärführung - innerhalb derer er besonders Schukow hervorhebt - die mehr und mehr eine effektive moderne Kriegführung gegen den Aggressor Wehrmacht zeigte und so die 1941/42 nicht für möglich gehaltene Wende, den Sieg gegen Hitler-Deutschland schaffte. Overys Buch ist für Fachleute und historische Laien gleichermaßen informativ, spannend und zum Nachdenken anregend geschrieben.Wigbert Benz Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unbedingt empfehlenswert,
Rezension bezieht sich auf: Russlands Krieg. 1941-1945 (Gebundene Ausgabe)
Der Krieg gegen die Sowjetunion war der bedeutendste Abschnitt des 2. Weltkrieges - und zwar nicht nur wegen Stalingrad. "Kursk" war mir zwar als Name eines gesunkenen U-Bootes bekannt, nicht aber als die bedeutendste und letztlich kriegsentscheidende Schlacht im 2. Weltkrieg. Unbekannt war mir, dass von den 34,5 Mio in der Sowjetunion mobilisierten Frauen und Männern 84 Prozent getötet verwundet oder gefangen genommen wurden. Für Deutschland läßt sich die Bedeutung des Krieges an der "Ostfront" daran ermessen, dass bei den gesamten Feldzügen der Wehrmacht bis zum Angriff auf Moskau "nur" 50 000 Soldaten gefallen waren - danach waren es Millionen. "Russlands Krieg" führt dem deutschen Leser vor Augen, wie sehr die eigenen Ansichten über dem Krieg 1941 - 1945 in der Sowjetunion von der Legendenbildung nach 1945 geprägt ist. Das beginnt bei der Vorgeschichte "Hitler-Stalin-Pakt", der der seinerzeit isolierten Sowjetunion eine Atempause verschaffte. Es setzt sich fort in der Beschreibung der Bedeutung des Luftkrieges, der 2/3 der deutschen Luftwaffe von der Front abzog und so neben den eigenen Rüstungsanstrengungen der Sowjetunion deren Luftüberlegenheit sicherte. Ein Kontrapunkt zu Werken wie "Jörg Friedrich - Der Brand". Er räumt mit der selbstgefälligen Bewertung der deutschen Generalität nach dem Krieg auf, der Krieg sei wegen Hitler's Wahnsinn verloren gegangen, also von Deutschland verloren aber nicht von der Sowjetunion gewonnen worden. Auch die geläufige These, die Rote Armee habe zynisch der Niederschlagung des Aufstandes der Polnischen Heimatarmee 1944 in Warschau vom anderen Weichselufer aus zugeschaut wird widerlegt. Aber auch die Kehrseiten des sowjetischen Sieges, die brutale Unterdrückung der eigenen Bevölkerung durch eine riesenhafte Zwangsarbeiterarmee im Gulag wird beschrieben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Gut erzählt, wenig erklärt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Russlands Krieg: 1941 - 1945 (Taschenbuch)
In der Tradition von John Erickson (The Road to Stalingrad, 1975; The Road to Berlin, 1983) und David Glantz (When Titans Clashed, 1995) erzählt Richard Overy die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ein weiteres Mal aus der russischen Perspektive. Das Ergebnis ist eine gut lesbare, auf dem neuesten Stand der Forschung stehende Darstellung, die aber kaum eigene Akzente setzt und wenig erklärt.Historische Bücher werden erst wirklich interessant, wenn sie nicht nur berichten WAS passierte, sondern auch erklären, WARUM es geschah. Der Leser einer Studie über den deutsch-russischen Krieg wird vor allem die Beantwortung folgender Fragen erwarten können: - Warum kam der deutsche Vormarsch Ende Juli 1941 für mehrere Wochen zum Stillstand? - Warum entschied sich Hitler im August 1941 nicht direkt auf Moskau vorzustoßen, sondern zunächst die Ukraine zu erobern? - Warum scheiterte der deutsche Blitzkrieg gegen die Sowjetunion? Lag es am Einbruch des Winters, an der Größe Rußlands, an der unzulänglichen Motorisierung der Wehrmacht oder an anderen Faktoren? Immerhin hatten außer Hitler auch die meisten westlichen Militärexperten einen schnellen Zusammenbruch Rußlands erwartet. - Warum konnte die Wehrmacht 1943 keine nennenswerten Siege mehr erkämpfen und sich 1944 nicht einmal erfolgreich verteidigen? - Warum gelangen der Roten Armee nach Stalingrad kaum noch größere Umfassungsoperationen? - Warum hatte die Rote Armee auch in der Schlußphase des Krieges noch erschreckend hohe Verluste, viel höhere als die Wehrmacht in der Anfangsphase? - Warum konnte die Sowjetunion in jedem Jahr des Krieges mehr Panzer, Flugzeuge und Artillerie produzieren als das Deutsche Reich, obwohl die industrielle Kapazität Deutschlands größer war? - Wie entwickelte sich das personelle und materielle Kräfteverhältnis Deutschlands und Rußlands im Laufe des Krieges? - Wie sahen die Strategien der beiden Kriegsparteien Jahr für Jahr aus, und in welchem Maße konnten sie umgesetzt werden? - Welche militärischen Fehler haben beide Seiten aus heutiger Sicht begangen? Wie hätten sie effektiver vorgehen können? - Warum gelang es der Sowjetunion die Wehrmacht zurückzuschlagen, während das Zarenreich im Ersten Weltkrieg zusammengebrochen war? - War die deutsche Niederlage von vornherein unvermeidlich? Diese Fragen und viele andere läßt Overy offen. Der Nutzen seiner Geschichte des östlichen Kriegsschauplatzes wird dadurch erheblich gemindert. Symptomatisch für das Buch ist der Epilog, in dem einer der wenigen ausdrücklichen Erklärungsversuche auftaucht. Dort heißt es, angesichts der allgemeinen Gegebenheiten im Juni 1941 hätte Deutschland den Krieg gegen die Sowjetunion eigentlich gewinnen müssen. Die Herausforderung des Historikers, fährt Overy fort, bestehe nun gerade darin, zu erklären, warum es anders gekommen sei. Um dies zu leisten, führt er vier Faktoren an: Die Führungskraft Stalins, die Effektivität des planwirtschaftlichen Systems in Kriegszeiten, den Patriotismus der Bevölkerung, sowie einen vorübergehend in der sowjetischen Gesellschaft aufgetretenen Geist von Initiative und Verantwortungsbewußtsein. WARUM diese Faktoren für den Sieg Rußlands ausreichten und was sie im Einzelnen bedeuten, wird nicht weiter erläutert. Keiner der Faktoren wird durch präzise Daten differenziert oder durch historische Vergleiche konkretisiert. Wer lediglich eine flüssig geschriebene Zusammenfassung der wichtigsten Vorgänge an der Ostfront sucht, trifft mit Overys Buch eine gute Wahl. Wer aber darüber hinaus den Verlauf des Krieges VERSTEHEN möchte, muß sich nach anderer Literatur umsehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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