Ein widerwärtiger TV-Moderator wird erschossen - Artjom Butejko hat sich wenig Freunde gemacht, zu sehr war er immer auf die Mehrung des eigenen Ruhms und Geldes auf, egal, auf wessen Kosten das gerade ging. Auch in der Wahl seiner Mittel war er alles andere als zimperlich, die Ehre anderer galt ihm gar nichts. Was dann passiert, ist wohl relativ typisch für die russische Polizeiarbeit - der erste beste Verdächtige wird als Mörder verhaftet.Daß der es nicht sein kann, weiß man als erfahrener Krimileser ja eh, die Spannung liegt in der Art und Weise, wie die Autorin uns beim Lesen daran teilhaben lässt, das Geheimnis zu lüften.
Wie in Daschkowas anderen Romanen spielt auch hier eine moderne junge Russin - d.h. erfolgreich im Beruf, sprachbegabt, wuppt Familie und Job relativ problemlos - die Hauptrolle, wenngleich ich finde, daß die gute Lisa Beljajewa nicht an z.B. Lena Poljanskaja aus "Die leichten Schritte des Wahnsinns" herankommt. Die Vermischung aus hochakuellem Verbrechen im Bereich der Medien mit einer bis in die Zarenzeit zurückreichenden Tragödie finde ich nicht immer gelungen, diese beiden Handlungsstränge stehen manchmal etwas unvermittelt nebeneinander, die Verbindungen scheinen arg konstruiert. Das alles aber tut der Spannung keinen Abbruch, man langweilt sich keine Minute.
Schade, daß man das dem nichtsagenden Text auf dem Umschlag des Buches nicht entnehmen kann - der jedenfalls lädt zum Lesen eher nicht ein! Wer schreibt so was bloß? Lassen Sie sich davon nicht abschrecken - Daschkowa hat auch mit ihrem 3. Roman wieder sehr soldide Spannungslektüre geliefert.