"Russisch Blut" beginnt ganz romantisch von einen Schloß, zu dem die Heldin stilgerecht im Pferdegespann vorfährt. Aber bevor man sich auf die Idylle richtig einlassen kann, ist man wieder in der deutschen Geschichte und dabei bei der Spezialität Anne Chaplets! Was sich zuerst anhört wie ein Roman wie "Ein Herz und eine Krone";, führt dann plötzlich in die Abgründe der Vergangenheit: zu Flucht und Vergewaltigung im Jahr des Kriegsendes, 1945. Zu Treuhand-Betrügereien und Beutekunst. Zu Stasi und Adel. Und zu einer Tragödie, die völlig zu Unrecht als Frauenthema angesehen wird: zu den vergewaltigten Frauen, wie sie jedes Kriegsende zu begleiten scheinen, damals oder vor kurzem noch, z. B. in Ex-Jugoslawien - und zu den Kindern, die aus diesen gewalttägien Verbindungen hervorgingen.
Ein ungeheuer spannender Roman - und ein eminent politischer zugleich.