Keine Frage: Fotografisch ist dieser frühe Band Petter Hegres weit entfernt von den perfekten Bildern, die er zuletzt etwa in "Tuscany Nudes" veröffentlichte. "Russian Lolita" steht in jeder Hinsicht für den Beginn seiner öffentlichen fotografischen Karriere. Seine Entwicklung in den Jahren zwischen den beiden genannten Büchern ist mit jedem einzelnen Band, der zwischenzeitlich erschien, erkenn- und nachvollziehbar.
Bei "Russian Lolita" steht das Modell als Individuum im Vordergrund, nicht die perfekte Umsetzung einer Idee. Das Buch wirkt ungeschliffen und spontan. Neben überwiegend "fehlerfreien" Bildern enthält der Band vermeintliche "Faux Pas", wie etwa verblitze Augen. In Zeiten, in denen mittels Bildbearbeitung die Grenzen zwischen Realität und Illusion weitgehend aufgehoben sind, finde ich persönlich ein paar rote Augen höchst authentisch. Zwischen den perfekt bearbeiteten, kühlen und durchgestylten Aktfotobänden, die heute dominieren, markiert dieser Band mit seinen unleugbaren Unzulänglichkeiten das andere Ende des Spektrums des Möglichen.
Fazit: Unter dem Aspekt des technisch Möglichen eher bescheiden. Aber authentisch, spannend und "persönlich". Und damit interessanter als viele andere Bildbände.