Produktinformation
|
Auf wundersame Weise trifft ein zeitgenössischer russischer Filmemacher (Sokurov selbst?) in der Eremitage des frühen 18. Jahrhunderts auf einen zynischen französischen Diplomaten aus dem 19. Jahrhundert. Während der Marquis und der Regisseur die prachtvollen Flure und Säle des Gebäudes erkunden, werden sie zu Zeugen der zaristischen Geschichte Russlands. Vor ihren Augen entfalten sich ganz erstaunliche Szenen. Peter der Große etwa peitscht einen seiner Generäle aus, Katharina die Große hetzt bei der Aufführung ihres eigenen Theaterstücks auf die Toilette. Der Film endet schließlich vor gigantischer Kulisse, in einem königlichen Ballsaal des Jahres 1913, bevölkert von hunderten tanzender Gäste.
Sokurovs formal anspruchsvoller Traum von einem durchgehenden Film ohne Schnitt ist so alt wie die Filmgeschichte selbst. Hatte Hitchcock bei Cocktail für eine Leiche nur wegen der technischen Beschränkungen noch alle zehn Minuten einen möglichst unsichtbaren Cut einbauen müssen, kann Sokurov aus dem Vollen schöpfen. Dank einer speziell für die Dreharbeiten zu Russian Ark von der deutschen Firma Director's Friend entwickelten, mit Festplatten bepackten Steadicam, wurde der gesamte Film in einem einzigen Take aufgezeichnet.
Während allerdings Hitchcock später im Gespräch mit Truffaut eingestand, das kompositorische Niveau nur durch eine Drehtechnik auffangen zu können, in der sozusagen Schnitt und Montage bereits simuliert wurden, rückt Sokurov in seinem konservativen Ehrgeiz von jeglicher Dynamisierung des Bildes ab. Er verleugnet die Errungenschaften des modernen Montagekinos, das ja gerade im russischen Revolutionsfilm von Eisenstein und Pudovkin seinen Anfang nahm. Wenn man so will ist dieser Ansatz jedoch die konsequente Fortsetzung des ästhetischen Traditionalismus seines Regisseurs, einer Haltung, die den gesamten Film hindurch spürbar bleibt. --Thomas Reuthebuch
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
|
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel:
|
||||||||||||||||||||||
|
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Erlebnis für sich...,
Rezension bezieht sich auf: Russian Ark (DVD)
Von Regisseur Aleksander Sokurov durch die russische Geschichte geführt zu werden, ist ein Erlebnis für sich. "Russian Ark" erzählt in einer ununterbrochenen 90-minütigen Kamerafahrt durch das Museum im ehemaligen Zarenpalast (Eremitage) in St. Petersburg von wichtigen Momenten in der Geschichte Russlands. Begleitet wird der Zuschauer von einem namenlosen Zeitreisenden, den es an diesen scheinbar magischen Ort verschlagen hat. Toll ist, dass Sokurov dabei nicht chronologisch vorgeht, sondern von Raum zu Raum ein Zeitsprung mal vor, mal zurück, und auch mal in die Neuzeit stattfindet.Der Film beeindruckt natürlich durch seine visuelle Gestaltung (Dass wir zum Höhepunkt Zeuge eines prunkvollen Balls mit Tausenden Statisten werden, die mit der Kamera in einen schwungvollen Tanz übergehen, dafür ziehe ich meinen Hut vor Kameramann Tillmann Büttner), doch nebenbei besitzt er natürlich einen überwältigenden historischen Wert und ist spannender als jeder Geschichtsunterricht. Einziger Kritikpunkt: Wer sich nur grob in der russischen Geschichte auskennt, ist stellenweise etwas verloren, denn nicht immer wird erklärt, wann und wo man sich befindet und vor allem mit wem man es zu tun hat... Aber hier regt der Film wenigstens an, zuhause selbst ein wenig in der Geschichte zu stöbern. Und die Reiselust hat er auch geweckt: die Eremitage in natura möchte ich mir nicht entgehen lassen. Bei soviel Abwechslung und Information in solch kurzer Zeit macht es letztlich auch nichts, dass eine klassisch dramaturgische Handlung nicht erzählt werden kann -- wie auch, wenn wir als stille Beobachter durch drei Jahrhunderte wandern. Ein filmisches Dokument, dass allein aufgrund seiner Bildgestaltung, einen wichtigen Eckpfeiler in der Filmgeschichte markiert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein einzigartiges Erlebnis!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Russian Ark (DVD)
Die wirklich erstaunlichen Leistungen und Innovationen bringt heute nicht mehr Hollywood, das immer mehr auf die gleiche Erfolgsmasche setzt (wobei das nicht unbedingt immer schlecht ist), sondern ein "kleiner" Film, eine russisch-deutsche Produktion. Bei über 90 Minuten Länge hat dieser Film keinen einzigen Schnitt (!!!), sondern nur eine Kamerafahrt durch ca. 30 Räume der Eremitage in St. Petersburg. Es wurde auch nicht auf einen computertechnischen Trick zurückgegriffen, alles ist wirklich so aufgezeichnet worden, wie man es später sieht. Diese Dreharbeiten sind weitaus schwerer, als bei anderen Filmen, da alles in einer Einstellung gedreht werden musste. Umso erstaunlicher ist die beachtliche Leistung des Drehteams, dass dem ganzen Film einen reibungslosen Ablauf gibt, selbst bei komplizierten Bewegungen der Kamera.Was man natürlich auch nicht vergessen darf, ist die großartige Arbeit der über 2000 Schauspielern und Statisten, die dem großen Gebäude Leben einhauchen. Aber nicht nur diese Aspekte sind hervorzuheben, ebenso die ganze Arbeit im Hintergrund: Ohne ein perfekt ausgefeiltes Drehbuch hätte dieses Werk nicht so verwirklicht werden können. Und auch das Vorbeiziehen von 300 Jahren russischer Geschichte in einem Gebäude mit nur einer Kameraeinstellung ist sehr gut geglückt. Ich rate zum Kauf dieses Films, da ich nicht der Meinung bin, dass dieser Film häufig im Fernsehen zu sehen sein wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einzigartiger Film,
Von Sabine tom Diek (Hannover Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Russian Ark (DVD)
Nicht zur Technik (super !!!) sondern zum Inhalt:Wer "Le chateau de ma mère" und "La gloire de mon père" liebt, mit Erik Satie durch nur scheinbar verlassene Räume und Zeiten treibt, der- oder diejenige wird diesen Film zutiefst lieben. Keine russische Seele, nein, ein müdes Europa - eine vergehende Hochkultur, schwindsüchtige Euphorien und Mattigkeiten. Eine museale Kulisse, dem Konsum preisgegeben. Schnodderig pubertäres Gehabe gegen das Flüstern der Zeit. "Gehen Sie?" - "Nein, ich bleibe". Der Ball ist vorüber, das Parfüm, das Lachen, das Leben nur noch eine Erinnerung. Aber es ist unsere Geschichte. Kein Aufruf zum Widerstand. Nur eine Bilanz in Bildern. Liebevoll und traurig. Voltaire hätte mit uns durch die Räume und Zeiten schlendern können ... Ich glaube fast, er steht hinter einer der Türen und lächelt. Lächelt über den ewigen Unverstand, das eigene Leben so wichtig zu nehmen. Die Weisheit eines Großvaters ... M.E. der beste Film, den ich seit Jahren gesehen habe. Ganz sicher aber nicht für eine RTL-"Publikumsfrage" geeignet. Ein Film zum Atmen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel: Eigene Rezension erstellen
|
Die neuesten Kundenrezensionen |
|
|
|