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Die Tage im Plattenbau-Ausländerheim von Marzahn sind längst vorbei. Heute gehört der DJ, Autor und Theatermann Wladimir Kaminer zu den Szene-Stars des neuen Multi-Kulti-Berlin: Die "Berliner Seiten" der FAZ drucken seine Texte ebenso gern wie die untergangsbedrohte taz, beim SFB moderiert er eine eigene Sendung (Wladimirs Welt). Im Kaffee Burger, das sich nach der Übernahme durch den Prenzlauer-Berg-Poeten Bert Papenfuß zur kuschligen Party-Location wandelte, zelebriert Kaminer einmal im Monat seine berüchtigte "Russendisko" -- Völkerverständigung und proletarischer Internationalismus, einst von Wladimir Iljitsch Lenin gepredigt, werden auf der engen Tanzfläche geübt, dazu wirft ein Videobeamer alte sowjetische Zeichentrick- und Kriegsfilme an die Blümchentapete.
Russendisko hat Kaminer auch seine erste Buchveröffentlichung genannt: 50 Erzählungen aus einem Berliner Alltag, den die üblichen Verdächtigen aus der "Paris Bar" nur vom Hörensagen kennen. Wer hier überleben will, muss wandlungsfähig sein: Die Türken im Imbiss nebenan erweisen sich als Bulgaren, den biederen Beamten vom Arbeitsamt trifft man abends in der Schwulenbar -- und selbst die vietnamesischen Zigarettenhändler sind nicht viel mehr als ein medial erzeugtes Klischee: Sie kommen mehrheitlich aus der inneren Mongolei. Kaminers Helden haben alle Hände voll zu tun, sich zwischen den Fallstricken des Asylrechts, Liebeshändeln und obskuren Jobs durch den Großstadtdschungel zu hangeln. Da ist der Slawistikstudent Sascha, der als Tellerwäscher im australischen Krokodilsteakhaus jobbt; da ist der "Radiodoktor" aus der Ukraine, der den Berliner Russen erklärt, was man gegen Pickel tun kann: "Die sagen Clerasil, aber ich kann mich noch gut erinnern, Benzin tut es auch." Die Damen vom russischen Telefonsex ("Mach deine Hose auf, wir nostalgieren zusammen!") dürfen ebensowenig fehlen wie der namenlose Asylbewerber, der sich, von der Polizei verfolgt, beim rettenden Sprung aus dem Fenster an einem REP-Plakat ("Mut zur Wahl -- wähle national!") abseilt.
Wer Kaminer bei all dem für einen plumpen Possenreißer und Zyniker hält, hat nichts begriffen. Der Mann kann nicht nur genau beobachten -- er liebt sie, seine skurrilen Großstadtindianer, die wohl vom Leben gebeutelt, aber nie ohne Hoffnung sind. Und, mal ehrlich: Wer, wie Kaminer, nicht nur deutsch schreibt, sondern unsere komplizierte Sprache mit der sowjetischen Fibel Deutsches Deutsch zum Selberlernen gepaukt hat -- der kann kein schlechter Schriftsteller, ach was: Der kann kein schlechter Mensch sein. Also: Kaufen Sie Kaminer! Und tun Sie, was ein russischer Berlin-Reiseführer seinen Lesern als ultimativen Kick empfiehlt: "Hissen Sie Ihre ganz persönliche Flagge auf dem neuen Reichstag -- Berlin erleben und erobern!" --Niklas Feldtkamp
Russendisko ist Kaminers erster Erzählungsband und er liest selbst mit wunderbar russisch-gebrochener Zunge daraus vor: Von unmotivierten Wohnungsbesetzungen, jugoslawischen Hexen (mit horrenden Honoraren), verrückten Sinti und Roma aus Marzahn, die gern mit Autos gegen Bäume fahren, und dann war da auch noch dieser Künstlerfreund, aus dessen Meißel fast das Holocaust-Mahnmal entstanden wäre (und dann auf einer Erotik-Messe in Hamburg ein großer Erfolg wurde).
Wladimir Kaminer erzählt vom ganz normalen Blues und Alltag vor seiner Haustür. Die kleinsten Geschichten sind dabei die größten und so richtig ernst wird es noch nicht einmal dann, wenn der Autor seinem herrlich urrussischen, fatalistischen Schwermut freien Lauf lässt.
Berlin ist im Aufbruch, sagt man. Wenn man Kaminer liest, erahnt man, was damit wohl eigentlich gemeint sein sollte: Der Aufbruch führt ins Chaos und hat viele schöne Begleiterscheinungen. Willkommen in Absurdistan... die nächste Tram fährt direkt dorthin. Berliner, lest dieses Buch, so kennt Ihr Eure Stadt noch nicht! Und Nicht-Berliner, packt vorher schon mal Eure Koffer! Darauf einen Wodka, "meine kleinen Freunde"!
Russendisko ist auch als Audiobuch auf 1 Kassette erhältlich. --Wolfgang Tress -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Unterhaltsame, aus dem Leben gegriffene Kurzgeschichten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Russendisko (Taschenbuch)
In wunderbar kurzweiligen und unterhaltsamen Kurzgeschichten, schildert der gebürtige Moskauer Wladimir Kaminer seine Auswanderung nach Berlin, sein Leben um die Zeit des Mauerfalls herum, berichtet über seine Freunde und deren Erlebnisse und lässt auch die Stories seiner Eltern nicht ausser acht.Da wäre zum Beispiel sein Vater, der nach einigen Jahren Besetzung seiner Moskauer Wohnung ebenfalls nach Berlin auswandert und dort vor lauter Langeweile mit 68 Jahren noch den Führerschein machen will, aber einen nach dem anderen Fahrlehrer an den Rande der Verzweiflung treibt und sein Vorhaben deswegen wieder aufgibt. Kaminers Mutter hat ihr neues Hobby allerdings in Busreisen gefunden, wonach sie anscheinend süchtig ist, weil sie die Freiheit des Reisens früher nicht kannte und nun durch ganz Europa fährt, eher wegen der Fahrt selber und nicht wegen dem Endziel. Da gibt es Anekdoten über Begegnungen mit anderen Russen in der Hauptstadt, den Zusammenhalt verschiedener Ausländer oder das Verhalten verschiedenster Menschen im Casino. Kurz gesagt berichtet Kaminer aus jeder erdenklichen Lebenslage und nimmt dabei nicht nur seine Mitmenschen, sonder auch sich selber auf die Schippe. Die Kurzgeschichten lassen sich gut lesen, haben einen trockenen und teilweise auch rabenschwarzen Humor und sind ideal für eine kurzweilige Unterhaltung geeignet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
ideal in der S- oder U-Bahn,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Russendisko (Taschenbuch)
Kaminer gibt herrlich und auf witzige Weise Einblick in die Welt von Russen in Berlin und deren Sicht auf uns Deutsche. Dabei ist er wunderbar selbstironisch und hintergründig, erzählt viele teils merkwürdige, teils anrührende Episoden und man kann sich oft nicht zurüchhalten, laut loszulachen. Ideale S- oder U-Bahn Lektüre.
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Leben", leicht geschrieben!,
Rezension bezieht sich auf: Russendisko (Taschenbuch)
Wladimir Kaminer war mir bislang nur aus dem Frühstücksfernsehen bekannt. Dort war ich immer wie gebannt, wenn er Berlin für sich entdeckt hat. Wie er alltägliches aufnimmt und uns seinen Blick darauf mitteilt ist einfach mitreißend. Es wirkt alles so aufrichtig, vor allem wenn man dabei immer sein Gesicht vor Augen hat, in dem die Begeisterung eines kleinen Jungen offensichtlich für immer eingeschweißt geblieben ist.Doch Kaminer weiß es auch, mit dem geschriebenen Wort die Menschen bei sich zu behalten. Wenn er kleine Episoden seines Lebens erzählt oder die Geschichten anderer und wie er sie empfunden hat, dann ist man mittendrin. Seine eigene Begeisterung, die Fragen vor denen er steht, alles scheint einem so nahe zu sein. Kaminer ist einer von uns, auch wenn viele der Leser außer dem gleichen Wohnort nichts mit ihm teilen. Als einer von uns schreibt er mit einem kleinen Stirnrunzeln und viel Lächeln vom Alltag und man fragt sich nach der Lektüre wirklich, warum man selbst solche Schwierigkeiten hat, scheinbare Banalitäten zu einer wertvollen Geschichte zu machen. Vielleicht muss man sie auch gar nicht dazu machen. Vielleicht sind es ganz einfach wertvolle Geschichten und wir sind nur betäubt und abgelenkt genug, es einfach nicht mehr zu realisieren. Was muss es doch für ein Geschenk sein, den Tag bewusst und achtsam zu erleben? Wir haben die Wahl und Kaminer zeigt uns, wie dieselbe Welt aussehen kann, wenn man anders darauf schaut. Nicht immer toll, auf keinen Fall die Spaß-Gesellschaft der wir so krampfhaft hinterher hecheln, aber auch nicht ohne eine gewisse unfreiwillige Komik. Toll ist auch, dass Wladimir Kaminer uns nicht erzählt, wie seine Philosophie aussieht. In diesem Buch werden die Lebensweisheiten nicht als Zaunpfahl verkleidet, mit dem man dann dem Leser zuwinkt. Er bleibt sich treu und schreibt einfach aus dem Leben, mit einer befreienden Gleichgültigkeit. Sagen die Leute, es sei ein tolles Buch und habe sie zum denken angeregt: Gut. Sagen die Leser, sie finden es banal und öde, ihn in den Erinnerungen an sein bisheriges Leben zu begleiten: Auch Gut. Zumindest empfinde ich das so. Es scheint gewiss, dass Kaminer sich nicht darum schert, ob das Buch nun einen Hype erfährt oder nur von einem ausgewählten Kreis gelesen wird. Jeder, der sich für Russendisko interessiert sollte eben wissen, dass es sich um Alltagsgeschichten handelt, in Episoden verfasst. Die große Story dahinter ist das Leben, aber man hat keinen Anfang und kein Ende bei diesem Buch. Es erzählt Lebensabschnitte von Stunden, Tagen oder Wochen, sicherlich gefärbt durch eine Philosophie, die einem aber nicht dezidiert dargelegt wird sondern ganz selbstverständlich Bestandteil der jeweiligen Geschichte ist und im Hintergrund wirkt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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