Im Gegensatz zur Snakes and Arrows-DVD, die einen zu matschigen Sound hatte, ist der Sound hier supertransparent, ja, sogar besser als auf dem Snakes and Arrows-Studioalbum. Ich habe plötzlich ganz neue Bassläufe gehört. Überhaupt spielt Geddy hier mehr soloartige Einlagen als je zuvor, z.B. bei 2112. Auch Bild, Kameraführung, Bühnendesign, Lightshow und Perfomance lassen nichts zu wünschen übrig. Ich finde, die Band war selten so gut aufgelegt. Am Ende von The Camera Eye lässt sich Geddy zu einem "Hey, Baby" hinreißen, wie man es wohl noch nie von ihm gehört hat. Bei einem anderen Stück vollführt er zickzack Bocksprünge, die ich ihm nicht mehr zugetraut hätte. Bei Presto hatte er sich wohl verspielt, deswegen wurde eine Stelle aus einer anderen Live-Performance eingebaut. Schade, diesen "brain fart", wie er es nennt, hätte ich gern gehört.
Die Songs von Moving Pictures werden ziemlich perfekt, aber auch mit kleinen Veränderungen und Scherzen vorgetragen, was für mich nicht immer funktioniert, so bremsen sie z.B. Red Barchetta an einer der euphorischsten Stellen plötzlich aus und spielen stark gedämpft weiter: haha, aber eben auch die Stimmung "dämpfend". Die Zugaben-Songs La Villa Strangiato und Working Man haben neue witzige Anfänge verpasst bekommen und klingen geiler als je zuvor.
Viel Material, auch die äußerst amüsanten Comedy-Filmchen, kannte man ja schon aus anderen Quellen, aber hier bekommt man alles perfekt geboten, Teil 3 im Abspann kannte ich noch gar nicht. Geddys Stimme lässt so gut wie nichts zu wünschen übrig. Die beiden neuen Songs kommen live deutlich besser rüber. Auch Time stand still hat mir selten so gut gefallen. Alex zieht sich mehrmals um und sieht zwischendurch schon mal aus wie der alte Joachim Fuchsberger auf'm Traumschiff... Na ja, in den 80ern hatten sie schon mal schlimme Phasen, modisch gesehen...
Im Publikum finden sich erstaunlich viele Frauen jeden Alters, sind wohl mitgekommen, damit der Haussegen nicht schief hängt, haben aber trotzdem sichtlich ihren Spaß. Und natürlich große und kleine Lufttrommler und -bassisten, -gitarristen ohne Ende. Herrlich. Auch Neils Solo hat mir sehr gut gefallen, ich durchschaue es aber nicht genug, um sagen zu können, ob er es stark verändert hat. Der Jazz-Part ist nach wie vor drin. Er selbst scheint immer dicker zu werden.
Aufmachung und Booklet der DVD sind diesmal eher bescheiden ausgefallen, da wäre mehr drin gewesen. Im Bonusmaterial finden sich wieder zwei alte Liveaufnahmen, zwar in grottiger Qualität, aber mit hohem Spaßfaktor. Also für mich gehört diese Live-DVD neben Exit Stage Left, Rush in Rio und R30 zu den besten überhaupt.