"Runterkommen" ist ein Reigen über unterschiedliche Leute, die nach den zwei wichtigsten Dingen suchen: der Liebe und dem Sinn des Lebens. Alle sind schräg und total lebensnah, schlicht und doch voller Widersprüche, ein Haufen liebenswerter Antihelden, die sich an ihren Gegensätzen abarbeiten. Erik, Rechtsanwalt und Familienvater, ist mit Beruf und Ehe kreuzunglücklich und voller sexuellem Verlangen. Ausgerechnet er muss sich in die kleine Putzfrau Dani verlieben, die es partout nicht leiden kann, berührt zu werden und ihre bescheidene berufliche Situation um nichts in der Welt ändern will. Zum Glück hat sie ihre Freundin Doreen, ein alterndes Prachtweib, eine attraktive kinderlose Übermutter, die sich selbstlos der Nöte jener Männer annimmt, die der feenhaften Dani verfallen sind. Wie zum Beispiel auch Tom, der Putzmann und Installationskünstler, den die Verzweiflung später nach Polen treibt, wo ein noch vertrackteres Liebesschicksal auf ihn wartet. Aber das sind nur kleine Ausschnitte aus diesem großen Schicksalskaleidoskop. Die komplexe Geschichte lebt von einer wundersamen Sprache. Katrin Seddig schreibt bizarr, scheinbar naiv und weise zugleich. Als hätte sie die Sprache dem Leben abgehört. Ich habe vollkommen vergessen, dass ich lese, so sehr war ich damit beschäftigt, mich im Leben dieser Helden aufzuhalten, in ihren ungeschickten Sehnsüchten und verrückten Verwicklungen, die am Ende alle zu irgend etwas führen, nur nicht zum großen Glück. Und wenn, dann besteht das große Glück höchstens daraus, sich mit dem kleinen Glück zufrieden zu geben und auf festem Boden zu landen. Der Leser kommt mit ihnen runter. Am Ende haben alle etwas verloren und das ist der große Gewinn. Das Buch ist wie ein Zuhause, in dem man sich immer wohler fühlt. Zumindest ist es eine Herberge für die Sehnsucht. Nur schade, dass man Herbergen irgendwann wieder verlassen muss.